WAHOO unter Volltuch

                               Das andere Segelschiff





Das Konzept zu dieser Segeljacht basiert auf meinen Erfahrungen mit vielen grossen und
kleinen Jachten auf
verschiedenen Meeren und mit einem alten dänischen Fischkutter auf einer
Reise nach Tahiti.

Ausgang waren 16 Forderungspunkte an eine ideale Jacht für grosse Fahrt und die konstruktiven
Möglichkeiten zu ihrer Verwirklichung.

Die Jacht sollte ein sicheres Seeschiff sein mit hoher Wohn- und Lebensqualität in gemässigten
bis heissen Klimen.

Die Forderung ans Rigg lautete: einfache Bedienung ohne anfällige technische Hilfe, einfaches
Reffen, effizienteres Profil, dafür kleinere Segelfläche.



Das Rigg Flügelsegel (Sail-Wing)                                            

Segelplan
Darum ist das auffallendste an der WAHOO wohl ihr Rigg:
zwei unverstagte Masten an denen schmale, hohe Gaffelsegel von 47 m2 resp. 45 m2 mit einer Zuspitzung (1) von 0,4 gefahren werden.
Die Segel sind um die Masten herum gelegt und auf beiden Seiten nach achtern geführt.
Sie verkleiden also die Masten.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Gross-Segeln,
bei denen sich unmittelbar hinter dem Mast eine Turbulenz-Zone bildet die bremst statt Vortrieb zu liefern,
erhalten wir dadurch zwei Profile,
die von der weichen Eintrittskante (Mast)
bis zum Achterliek wirksam sind.
(siehe Literaturhinweise am Schluss: 1+3).


Unten werden die beiden Segel durch Gabelbäume kontrolliert, oben durch Gaffeln.
Die Besan-Gaffel ist durch einen Ausleger nach vorne verlängert.
Ausleger und Gross-Gaffel sind durch eine Balance-Leine verbunden.
Damit  können wir den Gaffel-Anstellwinkel
beider Gaffen gleichzeitig einstellen.

Gaffeltop

Segelprofil
Wir kontrollieren also beide Segel von unten
(über Baum und Schot)
bis zum Top
(über Gaffel und Balance-Leine).

So erhalten wir zwei erstaunlich gute Segelprofile.

Da wir die Segel weit über 90° ausfieren können,
segeln wir diese Profile von hart am Wind bis vor dem Wind.
So erreichen wir annähernd gleiche Geschwindigkeiten
von 70° bis 150° zum Wind.

Unter 60° am Wind geht die Geschwindigkeit auch
bei diesem Rigg kontinuierlich zurück.


Beim "Schmetterling"-Segeln fahren wir den Besan auf der Leeseite und fieren ihn so weit auf, dass er auch in dieser Stellung als Profil wirkt.

Das Grossegel fahren wir auf der Luvseite so dicht, dass das Achterliek als Wind Eintrittskante funktioniert.

Dadurch wirken beide Segel als Profile mit Saugseite nach Luv. Das bringt einerseits Geschwindigkeit und -
als hoch willkommenen Nebeneffekt:

dämpft es auch das Rollen. Ab gut Windstärke 5 rollt das Schiff auch vor dem Wind kaum mehr!

vor dem Wind

Wie wirksam ist diese Segelführung nun in der Praxis?

Wir haben die Jacht nun während über 27 Jahren im Mittelmeer, Nord- und Südatlantik, der Karibik, dem Roten und dem Indischen Meer gesegelt, weit über 70.000 sm.

Halbe bis achterliche Winde
Bis etwa 15 kn Wind setzen wir den 140 m2 Blooper zusammen mit dem Besan-Segel.
Bei 10 kn Wind läuft die WAHOO damit bei halbem und achterlicherem Wind etwa 6 kn.

Ab 15 kn Wind setzen wir statt des Bloopers das Gross und erreichen damit fast die selbe Geschwindigkeit.
Bei halbem Wind um 22..24 kn und flachem Wasser überschreiten wir die Rumpfgeschwindigkeit von 8,5 kn. Die Geschwindigkeit bleibt über den Bereich
70° - 150° fast konstant, weil wir dem Wind über den gesamten Bereich die beiden Segelprofile im richtigen Anstellwinkel bieten können.
Erst wenn das achtere Segel das vordere abzudecken beginnt und wir "Schmetterling" segeln, geht die Geschwindigkeit leicht zurück.

Surfen
Ab 25 kn Wind und Winkeln zwischen 100° und 170° zum Wind und entsprechender Welle von achtern, beginnt die WAHOO zu surfen.

Amwind-Kurse
Bis 15 kn Wind segeln wir mit ausgefahrenem Bugsprit Vor-, Gross- und Besansegel, also mit 122 m2 am Wind.
Bei 15 kn Wind erreicht die WAHOO bei flacher See und einem Winkel zum scheinbaren Wind von 45° etwa 5 kn.
Damit hat sie einen Wendewinkel von etwa 114° (Winkel zum wahrer Wind ca. 52° plus je 5° Abdrift).
Bis etwa 22 kn Wind fahren wir Gross und Besan; bei entsprechender See und einem Winkel zum scheinbaren Wind von 50-55° erreicht sie etwa 7 kn.
Meist ist uns das zu schnell (unangenehm) und wir setzen das 1. Reff in den Besan; Geschwindigkeit damit etwa 6 kn.
Ab etwa 25 kn Wind fahren wir auch das Gross mit einem Reff und ab etwa 30 kn dann beide Segel mit je zwei Reffs. Auf unserer letzten Reise rund um Afrika haben wir dabei gesehen, dass wir damit gut voran kommen (4-5 kn, je nach Seegang), bei einem Winkel von 55° zum scheinbaren Wind.
Darüber sind die Verhältnisse meist so verschieden, dass vergleichbare Angaben unrealistisch werden.
Verglichen mit ähnlichen Fahrtenjachten, mit denen zusammen wir hin und wieder gesegelt haben, läuft die WAHOO bei ziemlich allen Verhältnissen etwas mehr Höhe und ist auch etwas schneller.
Bei schwerem Wetter kann sie beigedreht werden - was bei kleiner Crew zur Sicherheit beiträgt.

Segel bergen
In den Wind fahren, die Segel in das zwischen den Gabelbäumen gespannte Netz fallen lassen und mit der ständig angeschlagenen Persening fest machen.

Reffen
Bei kurzen Gewitterböen fieren wir zuerst einmal die Balance-Leine, die Segel wehen oben aus und der Druck verringert sich. Ist abzusehen, dass der Wind stark bleibt, beginnen wir aber sofort mit dem Reffen.

Am Wind: ab etwa 20..22 kn Wind zeigt die WAHOO durch stärkeren Ruderdruck, es ist Zeit den Besan zu reffen.

Halb bis achterlich: bis 25 kn Wind können wir die Segel stehen lassen. Dann reffen wir den Besan um eine Bahn - als nächstes dann das Gross und so weiter.
Reffen ist einfach und ungefährlich. Bis etwa 90° zum Wind bleiben wir auf Kurs, segeln mit einem Segel weiter, fieren das andere auf bis es killt und reffen es vom Mast aus.
Segeln wir vor dem Wind mit "Schmetterling", fallen wir ab, bis der Besan das Gross abdeckt, schiften das Gross ohne grossen Kraftaufwand, luven auf etwa 90° an, fieren den Besan bis er killt und reffen ihn während wir unter Gross weiter segeln.
Wer je die Hektik beim Reffen auf einer grösseren Segeljacht erlebt hat - hart am Wind, mit schlagenden Segeln - der wird die Gelassenheit schätzen, die beim Reffen auf der WAHOO herrscht.
Allerdings sind hiervon die Jachten mit modernen Rollreffanlagen ausgenommen - so lange sie funktionnieren. Ich habe aber schon von Jachten gehört, die unter voller Genua im Sturm gesegelt sind, weil sie nicht mehr einzurollen war...

Rigg - Zusammenfassung
Segeln mit diesem Rigg ist einfacher und kräftesparender als mit herkömmlichen - wenn wir von den hochtechnisierten Rollreff-Anlagen absehen.
Den grössten Vorteil sehen wir nicht beim Kreuzen - das bei uns nur aus Ruderlegen besteht - sondern einerseits beim Reffen und anderseits beim Segeln vor dem Wind. Wir brauchen keine Spi- und Passatbäume und bieten dem Wind immer unsere beiden Flügelprofile. Das bringt Geschwindigkeit mit kleiner Segelfläche. Und vor dem Wind - "Schmetterling" segelnd - dämpfen die Saugseiten der Profile - als Zusatzeffekt zur Geschwindigkeit - das unangenehme Rollen.
Bei den 2200 sm unserer ersten Atlantiküberquerung, als Beispiel, haben wir eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 6,33 kn gefahren, grösstes Etmal war 184 sm oder
7,33 kn Durchschnitt.

Schamfilen
Der letzte, aber für Fahrtensegler nicht unwichtige Punkt: die Segel können weder an Wanten noch Salingen schamfilen. Nach den ersten 20.000 sm haben wir ein paar Nähte nachgenäht; nach 40.000 sm waren dann neue Segel fällig.





Das Wohnkonzept

An Deck:
Grosse Flächen an Deck zum Leben, Arbeiten, Essen, Schlafen, Sonnenbaden...
In warmen Gegenden leben wir vor allem auf dem grossen Brückendeck,
wo uns jeder Lufthauch erreicht und erfrischt, tagsüber natürlich unter dem grossen Sonnendach



Deckplan
Das Schiffsinnere

hell, grosszügig, unverbaut


in fünf Räume aufgeteilt:

Kettenraum
mit Platz für 90 m 13 mm Kette, Sturm- und Vorsegel und die grossen Fender


Vorkajüte
mit einer Doppel- und einer Einzelkoje und einer grosszügigen Werkbank


Hauptkajüte
mit festem Tisch für 8 Personen, Pantry mit 3-flammigem Petrolherd mit Backofen, grosszügiger Navigation und einer zu 2 Kojen aufklappbaren Sitzbank


WC-Raum
mit WC, grossem Waschbecken, grosser Dusche, alles in den Fäkaltank  lenzend


Achterkajüte - Eignerkammer -
mit Doppel- und Einzelkoje und Waschbecken


Motorenraum
begehbar und gut zugänglich durch die Plicht-Luck



     Geburtstagfest in "Salon"

 Küche mit viel Platz - vergrössern

Niedergang, rechts die Küche

Vorkajüte mit Doppel- und Einerkoje

WC Raum mit Dusche und Brüneli, in den Fäkaltank lenzend

           Achterkajüte mit Dioppelkoje


 
Plan unter Deck

     Sicherheit
Abschotten:
Der Motor- und der Kettenraum sind durch wasserdichte Schotten von den Innenräumen getrennt. Die anderen Räume können durch wasserdicht verschliessbare Türen gegen einander abgeschottet werden.

Energieversorgung:
3 Solarpanelen, die zusammen als Maximum 12 Amps in die 2 Service- Batterien à 210 Amps und die Motor-Batterie à 150 Amps einspeisen; ein Wellen- und ein Motor-Alternator. Das reicht im Normalfall um die 160 lt. Kühltruhe, Licht und Elektronik zu betreiben. Den Motoralternator (mit Spezialregler) brauchen wir sehr selten zum Aufladen. Beim Nacht-Segeln genügt der Wellenalternator ab 4.5 kn Geschwindigkeit für die Navigationslichter und den Simrad AP25 Steuerautomat.
Wenn wir stationär sind, montieren wir den grossen Windgenerator, der bei 30 kn Wind 30 Amps. bringt. So reicht die Stromversorgung auch noch für 3 Laptops.
 
Trinkwasser:
Wir pumpen es aus unseren 2 Tanks - beide knapp 500 l mit je 100 l Reserve - durch einen Grob-, einen Keramik- und einen Kohlenaktiv-Filter.
Gekühlt schmeckt es wie Bündner Quellwasser...

Zusammenfassung
Wir segeln und wohnen nun seit über 27 Jahren mit und auf diesem Schiff und sind noch immer von seinem Konzept überzeugt. Es ist wirklich eine Jacht zum Erkunden noch weitgehend unbekannter Gewässer und Ufer... zum Leben und Reisen abseits der ausgetrampelten Wege und Wasserstrassen. ZB durch die Cayos im Nordwesten und Süden von Kuba, oder durch den Bijago-Archipel in Guinea-Bissao
.

   

Literaturhinweise:    1  Marchaj, Aerodynamik und Hydrodynamik des Segelns,
                                    Hamburg 1979
- 2. Teil D5b + c
                                2  wie oben, 2. Teil C5g
                                3  Curry, Regattasegeln, Zürich 1960, Versuche im Aerodynamischen
                                   Versuchslabor von Prof. Junkers




Technische Merkmale

Mehrfach-Knickspant,
gebaut nach den Richtlinien des Germanisch Lloyd
aus Stahl 37/2;
Scheergang, Deck, Aufbauten und Ruder aus Edelstahl 1.4401;

Teakdeck auf Brücke und im Cockpit; 
4,5 - 6,5 cm PU-Isolation;

Innenschale aus Birkenperrholz 100 AW

Länge über alles                                                   
Länge über Deck                                                    
Länge in der Wasserlinie                                        
Breite über Deck                                                     
Breite in der Wasserlinie                                          

Tiefgang
ohne Schwerter                                        
mit vorderem Schwert 
mit achterem Schwert 

Verdrängung (1/2 gefüllte Tanks)    
Ballastanteil
Aufrichtendes Moment bei 30° Krängung  
AW Fläche Wasserlinie 
IB (Wasserlinienträgheitsmoment B)    
IL (do. in der Länge)   
MB (Breitenmegazentrum über
Verdrängungsschwerpunkt) 

Masten - Prinzip Kragträger
Durchmesser   
Wandstärke bis 4,7 m    

dann abnehmend bis im Top auf   
Mastlänge total    
Mastlänge über Deck    

Segel - Prinzip Flügel-Segel (Sail-Wings)                        
Fläche des Gross-Segels  
Fläche des Besan-Segels  
Fläche des Vorsegels
Fläche des Bloopers   
Fläche der Sturmsegel je    
Segeltragzahl bei mehr als 15 kn Wind  
darunter 

Tanks
Wassertank                                               
Dieseltank   
Fäkaltank    

Motor : Mercedes-Benz OM 616                 
16.16m
14.0  m
13.3  m
4.46 m
4.0  m


1.3   m
3.0  m
2.5 m

23 t
33 %
12.4 mt
40 m2
36 m4
411 m4
1.8 m



300mm
11 mm
4 mm
16 m
14 m


47 m2
45 m2
30 m2
140 m2
10 m2
2.8
5.2


1.100 l
700 l
400 l

65 PS


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