9 - Nach Madagaskar

Ich hatte vorgeschlagen, mit etwa halbem Wind zur fran­zösischen Komoren-Insel Mayot zu segeln und dann von dort nach Nosy Be, der grossen Insel an der Westküste Madagaskars. Ich dachte, meine Crew habe es satt, schon wieder tagelang hart am Wind zu segeln.
Aber Thomas meinte, es ist doch möglich direkt nach
Ant­siranana im Norden Madagaskars zu segeln.
Warum tun wir’s dann nicht?
In Ordnung, aber ihr wisst, was das bedeutet – einmal mehr, hart am Wind segeln.
Als Trost – vor allem für Julia – wollten wir wenigsten in Farquhard Island Halt machen. Und davor gibt es noch ein Inselchen am Weg, Saint Francoise.
Dort sind wir gegen Abend angekommen und dem schäu­menden Riff entlang gesegelt, manchmal keine hundert Meter davon entfernt. Du segelst konzentriert auf der Zwanzig Meter Linie, kommst du zu nahe, beginnen die Wellen anzusteigen und zu gefährlichen Grund­seen zu werden. So weit darfst du es auf keinen Fall kommen las­sen, sonst liegst du in Kürze auf dem Riff.
Aber der Anblick der Kilometer lang brechenden Seen auf dem Riff ist phantastisch.
Die Situation erinnerte mich ein wenig an Odysseus und die Sirenen. Nur dass es bei ihm der Gesang gewesen ist, hier aber der Anblick, das brodelnde, gischtende Weiss der brechenden Seen, das mich magisch anzog. Die Augen jedoch konnte ich mir nicht gut verbinden lassen...
Aber auch mit offenen Augen und besten Ferngläsern fan­den wir in der beginnenden Dämmerung keinen Ein­gang hinter das Riff und mussten wehmütig weiter in die Nacht hinaus segeln, Farquhard Island, mit der schönen grossen Lagune, entgegen.
Dort, wussten wir, gibt es eine Einfahrt in die Lagune und dort wer­den wir geschützt liegen, wie in Abrahams Schoss...
Leider sind wir auch dort wieder am späten Abend ange­kommen und hätten bis zum Morgen vor dem Eingang warten müssen.
Macht kei­nen Sinn, hat sogar Julia zuge­stimmt, die so gerne endlich in einer Lagune geankert hätte – wer von uns nicht? – und so segelten wir weiter.
Wir setzten den Kurs etwa dreissig Seemeilen östlich des Einganges zur Bucht von Antsiranana ab. Und das ist rich­tig so. Der Wind dreht entlang der Ostküste der Insel auf Süd und die Strömung setzt Nord. Gegenwind und Gegen­strömung also für ein Schiff, das südwärts segelt.
Wir haben später von Segelyachten gehört, die von Kap d’Am­bre, der Nordspitze Madagaskars aus, tagelang der Küste entlang nach Süden aufkreuzten und es nicht geschafft haben.
Mit einem Abstand zur Küste von etwa dreissig Seemeilen jedoch, konnten wir ab der Höhe von Kap d’Ambre, hart am Wind segelnd, gerade noch den Eingang zur Bay anlie­gen.
Am Morgen des 25. Oktober 2007 segelten wir in die grosse Bay von Antsiranana ein und machten ein paar Stunden später im Hafen die­ser Stadt an einem Fischer­boot fest.
Mein Ziel, mit der WAHOO nach Madagaskar zu segeln, war erreicht!
 


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