16 - Auf dem Gambia und dann nach Dakar
 
Unser Cockpit sieht aus wie hier in Afrika eine Autowerk­stätte. Da lie­gen der Zylinderkopf und die Einspritz­pumpe, dort die Kipphebel, in jenem halbierten Kanister die Anzugschrauben, daneben die Ölwanne, das Kurbelge­häuse und in weiteren halbierten Kanistern eine Unmenge Schrauben, Unterlagscheiben, Muttern und Gestänge.
Der Cockpitboden und die Seitenbänke sind mit schwar­zer Plastikfolie abgedeckt. Am Abend oder wenn Regen droht, können wir all die Teile damit zudecken.
Auseinander genommen haben wir ihn nun, unseren schö­nen Diesel­motor, auch den Fehler gefunden und was für Ersatzteile wir brau­chen.
Wo aber finden wir hier in Gambia diese Ersatzteile und wo einen wirklichen Fachmann, der sie einbaut und dann den Motor wieder zusammen setzt und richtig einstellt?
 
Und dann kommt die Erlösung!
Wir kommen! sagt Christoph, mein Bruder, am Telefon. Die nötigen Ersatzteile habe ich bestellt, am nächsten Frei­tag mitten in der Nacht kommen wir in Banjul an.
Mein Bruder hat in Adliswil eine Garage und ist ziemlich weit herum bekannt als Spezialist für Oldtimer – allen voran für Austin Healy. Darüber hinaus ist er in jüngeren Jahren viel in Afrika gereist – nicht wie ich mit den vor­handenen Verkehrsmitteln – sondern mit verschie­denen eigenen Autos, vom VW Bus bis zum Jeep Kastenwagen der Post für extreme Schweizer Berggebiete.
Wenn er sich unseres Motors annimmt, bin ich alle Sor­gen los! Und so ist es auch gewesen. Drei Tage nachdem Chri­stoph und Susi, seine Frau, hier angekommen sind, läuft der Motor wieder. Und ruhi­ger als zuvor.


Susi, Christoph und ich machen uns bereit, den Gambia River hinauf zu fahren. Julia und Thomas sind vor ein paar Tagen nach der Casa­mance gefahren, um den Hauptort zu besuchen. Wir werden sie in Georgetown wieder an Bord nehmen.
Nun fahren wir also mit eigener Kraft den Weg wieder zurück, den uns die Piroge von Peter vor zehn Tagen hier­her geschleppt hat.
Peter lebt seit über fünfundzwanzig Jahren beim Dorf Lamin. Er hat hier eine wunderbare Logde aufgebaut. Sie steht auf Palmpfählen im Bolon (Creek), getragen von Rundhölzern mit ungehobelten, halbrun­den Boden- und Wandboh­len und mit Palmwedeldach.
In viele der senk­rechten Rundhölzer hat ein einheimischer Künstler Mensch- und Tierfiguren geschnitzt. Vom Schiff aus, als ich Lamin Lodge zum ers­ten Mal sah, glaubte ich, ein Kas­tell aus dem 18. Jahrhundert vor mir zu haben, romantisch und exotisch, direkt einem Buch von Joseph Konrad ent­sprungen. Lord Jim – dacht ich - wohnt vermutl­ich im Turmzim­mer...
Ein Abendessen mit Kerzenlicht in dieser Atmo­sphäre ist ein Erlebnis! Nicht nur kulinarisch. Aber aufgepasst! Die Affen möchten mit essen...

Nichts sei geplant worden, immer wieder habe er eben ein wenig angebaut, je nach Notwendigkeit oben oder auf der Seite noch etwas drauf oder dran, sagt Peter. Und alles mit einheimischen Menschen und mit krummen einheimi­schen Hölzern.
Zum Land hin führt ein aufgeschütteter Damm zwischen den Mangro­ven hindurch zum Palisaden-Tor. Dort überho­len Peters Leute seine Pirogen. Auf den Mangro­ven schau­keln ganze Affen Familien und kreischen dir nach. Sie leben dort und stibitzen den Touristen in der Lamin Lodge mit Vorliebe den Fisch oder das Steak direkt vom Teller...
An der Lan­dungsbrücke zum Bolon hinaus liegen Peters verschieden grosse Pirogen vertäut. Mit ihnen kannst du Bootsfahrten auf den Bolons unterneh­men, zum Beispiel um Vögel zu beobachten. Mit der grössten Piroge – mit Küche und Kojen - fahren Peters  Flussmatro­sen Touristen den Fluss hinauf bis nach Geor­getown.
Peter ist damals mit seinem Segelboot hierher gekommen um zu überwintern. Dann hat er angefangen mit Touris­ten den Fluss hinauf und herunter zu fahren, dann die Lodge hier und später eine zweite in Georgetown gebaut. Oben kann man wohnen und essen, hier unten bisher nur essen. An beiden Orten musst du beim Essen auf die vie­len Affen aufpassen.
Ich habe mich mit Peter angefreundet. So wie er gelebt hat, ist er auch. Ein Mensch, den ich nicht so rasch wie­der vergessen werde.

Aber nun zu unserer Reise auf dem Fluss.
Zuerst also auf dem Bolon zurück nach Banjul. Der Motor läuft gut, das Echolot zeigt mir die Wassertiefe und der GPS die Geschwindig­keit über Grund an. Wir sind gegen Ende der auslaufenden Flut Anker auf gegangen und machen gute Fahrt. Wo das Wasser tief ist, weiss ich noch vom Hereinkommen. Jetzt, bei fast Niedrigwasser, muss ich mich ziemlich genau im Tiefen halten.

Vor Banjul wird es schwierig. Dort läuft eine Sandbank weit gegen den Bolon hinaus und den Fluss hinauf. Ich halte mich an ihrem Rand. Er franst aber immer wieder aus und zwingt mich grosse Bögen zu fahren. Als ich den Fluss endlich erreiche – noch immer mit leicht auslaufen­dem Wasser aus dem Bolon – merke ich, der Fluss selber läuft ebenfalls noch ab und zwar recht schnell.
Wir wollen nicht mit dem Motor gegen den Fluss anfah­ren. Wir ankern.
Nach zehn Minuten kommt Wind auf. Er wird uns helfen, den Strom auszusegeln. Also gehen wir Anker auf und set­zen das kleine Vorse­gel. Es steht gut, wir haben den Wind leicht von achtern – von hinten - und der Motor hilft mit.
Dann erhalten wir ein SMS: wo seid ihr heute Abend?
Julia und Thomas sind offenbar bereits zurück und wollen zusteigen.
Mit der jetzigen Fahrt würden wir den Bintang Bolon errei­chen. Selbst wenn der Wind abflaut, werden wir ihn errei­chen, weil der Strom ja bald Land einwärts fliessen wird.
Also SMS: bei Bintang im gleichnamigen Bolon.
Aber ich habe die Rechnung ohne den Wirt – das ist hier der Wind und der Fluss – gemacht. Nach kurzer Zeit dreht der Wind gegen uns und nimmt auf 20 Knoten zu. Und der Strom will und will nicht ken­tern – umgekehrt, Land ein­wärts fliessen. Irgendwie läuft die Strö­mung im Bolon und im Fluss nicht gleich und vor allem nicht gleich­zeitig.

Nach zwei Stunden weiss ich, wir werden Bintang heute nicht errei­chen und schreibe das der Crew. Sie seien müde und sauer, kommt die Antwort. Wir nur müde.
Wir ankern hinter der James Insel und verbringen einen gemütlichen Abend mit gutem Essen und einer Flasche Wein.
Ich habe das so ausführlich beschrieben um zu zeigen, Reisen auf einem noch unbekannten Fluss kann auch seine Tücken haben. Die weit verzweigten Bolon fliessen zum Teil nach einer anderen Uhr. Zuerst musst du den Atem des Flusses spüren, nach sei­nem Auf und Ab zu leben beginnen, erst dann kannst du planen und sagen, heute fahren wir bis dorthin.
Am nächsten Morgen weiss ich, wann hier oben der Fluss kentert. Etwa um halb acht. Wenn wir mit einem Durch­schnitt von fünfeinhalb Knoten Land einwärts fahren, wer­den wir etwa zehn Stunden mitlau­fenden Strom haben. Sein Kentern verschiebt sich ständig nach oben. In Geor­getown ist der Fluss elf Stun­den spä­ter hoch oder niedrig ver­glichen mit Banjul.

Auf jeden Fall treffen wir uns mit Julia und Tho­mas am Nachmittag in einem Tou­ristencamp sechs Stunden fluss-auf­wärts und wir hätten noch gut drei Stunden weiter fah­ren können.
Das Camp von Tendeba ist vor vielen Jahren von einem Schweden gegründet worden. Er sammelte einheimische Schnitzereien, gemalte Bilder und stellt sie im Camp auf. Die Gäste wohnen in kleinen Rund­hütten und fühlen sich wie in einem Freiluft-Kunsthaus.
Dort, umringt von Masken, Standbildern, Art-brut Bildern aus dem Leben der einheimischen Menschen und mit Blick auf ein stilisiertes überlanges Krokodil über der Bar haben wir zu Abend gegessen. Wildschweinbraten!
Zwar nennen es die Einheimischen Buschschwein und essen es nicht, als gute Mohammedaner. Aber sie jagen und kochen es. Für uns, die Unreinen.
Wildschweinbraten... da kamen bei mir Erinnerungen an Sardinien auf: goldbraune Kruste und saftiges Fleisch dar­unter.
Aber Gambia ist nicht Sardinien und Vorfreude, die auf alten Erinne­rungen basiert, selten von grossem Wert. Wir assen Schmorbraten. Guten Schmorbraten!.. für hiesige Verhältnisse, wo Fleisch nie abge­hangen wird. Und Chri­stoph spendierte einen Doppelliter Wein. Italie­nischen Wein - hier, am Ufer des Gambia!
Fünf Tage fahren wir flussaufwärts, immer mit der Tide. Und da die sich täglich nach oben verschiebt, können wir am nächsten Tag erst um zehn Uhr und am übernächsten erst am frühen Nachmittag los fahren.
Der untere Teil des Flusses, bis etwa zum Devilspoint – Teufelspunkt – ist breit wie ein See und die Fahrrinne mäandert darin von einem Ufer zum anderen. Die einmün­denden Bolon sind aber gute Wegmar­ken. Vor dem Devils­point ragen, als einzigem Seezeichen auf dem Fluss, die Masten eines gesunkenen Fährschiffes aus dem Was­ser und geben ebenfalls einen guten Anhaltspunkt.
Ab dem Teufelspunkt wird der Fluss schmaler – und noch inter­essanter. Die Ufer kommen näher, wir sehen die ein­zelnen Bäume, noch vorwiegend Mangroven, aber nicht mehr die halbhohen Buschmangroven sondern richtige, hohe Man­groven Bäume.
Der Fluss wird immer schmaler und wir fahren oft nur wenige Meter vom Ufer entfernt. Die Landschaft ändert sich. Die Mangroven wer­den seltener. Dafür sehen wir die ersten Kapok- und dann die ersten Affenbrotbäume. Die berühmten Baobab.


Nach der Legende wollten sie, nach­dem sie Gott gepflanzt hatte, nicht so richtig wachsen. Da hat ER sie ausgerissen und umgekehrt wieder in die Erde gesteckt. Seither wach­sen sie gut aber sehen eben „umgekehrt“ aus. Hier am Fluss wachsen sie allerdings weit üppiger als in den kar­gen Ebenen, wo die Legende entstand.
Wir fahren nun bereits in einem Bereich, wo das ablau­fende Wasser süss ist und die Vegetation langsam aber immer deutli­cher auf Süss­wasser umstellt. Bald sehen wir die ersten Mangobäume und Ölpal­men und immer öfters sind die kleinen Flussinseln mit Buschwerk überwuchert.
 
Wir erreichen die Baboon Islands. Sie gehören zum River Gambia National Park. Auf einer der Inseln hat ein Englän­der vor Jahren begon­nen, Schim­pansen zu rehabilitieren – das heisst, wieder an das Leben in der Wildnis zu gewöh­nen.
Heute leitet sein Sohn das Projekt und den Camp mit den Parkwäch­tern. Sie nehmen Touristen mit zum Füttern der Schimpansen und aus dem Erlös wird das Projekt weiter geführt.
Für die Schifffahrt sind nur der südliche und ein kleiner Zwischenka­nal freigegeben. Ich fahre den schmalen Zwi­schenkanal hinauf. Er trennt die grosse von einer der klei­nen Inseln. Auf welcher sind wohl die Schimpansen ausge­setzt? Sämtliche Ferngläser an Bord sind auf die kleine Insel gerichtet. Dort haben wir eine Art Übergabe-Käfig entdeckt. Aber kein müder Affe regt sich in den Bäumen.
Nur Schmetterlinge gaukeln... wirklich! wunderbar grosse und schöne Schmetterlinge segeln von der Insel herüber, lassen uns links liegen und schaukeln zum nächsten Baum, zur nächsten Blüte am anderen Ufer.
Und Vögel!
Eine Vielzahl verschiedener Vögel segeln, schwirren, flie­gen herum, vom grossen Raubvogel bis hin­unter zum – nein nicht Kolibri, den gibt es hier nicht – aber ähnlich kleine, bunte Vögelchen. Ein Para­dies! – nicht für Affenbe­schauer – sondern für Ornithologen.
Hinter der Hauptinsel ankern wir. Und da sind sie endlich! Nicht die Affen. Doch, auch sie – aber ich meine die Hypos. Dort drüben, eins, zwei nein vier Hypos schnaufen im Wasser. Und da taucht das Fünfte auf, mit Geschnaube und Getöse und einer Wasserwolke über den Nasenlö­chern und gleich daneben auch ein Junges.
Natürlich sehen wir nicht die ganzen Tiere. Sie sind tags­über prak­tisch unter Wasser. Nur die Nasenlöcher schauen heraus und manch­mal das riesige Maul – es sieht dann aus wie wenn sie gähnen wür­den.
Aber nun zu den Affen! Wir ankern offenbar neben einem Affen­baum. Kaum ist das Rasseln der Kette verhallt, sehen wir dunkle Gestalten im Riesenbaum am Ufer rasch und gewandt nach oben klettern. Sie sind so neugierig wie wir. Nur verfügen sie noch nicht über Ferngläser.
Nun sitzen sie oben in der Krone und betrachten uns – fast wie im Zoo...
Aber nach kurzer Zeit ist ihre Neugierde befriedigt – nur ein paar Menschen! – und sie wenden sich wieder sich sel­ber zu. Lausen, Früchte pflücken und essen, ein wenig streiten, einen unverschämten Jungen vermittels einer Ohrfeige erziehen und so weiter.
Wir hingegen sind etwas ausdauernder. Unsere Fernglä­ser bleiben weit länger in Betrieb.

Am nächsten Tag erreichen wir unser Ziel, Georgetown oder Jang Jang Bureng. Der Ort liegt auf einer Insel, umströmt von einem schmalen und einem breiteren Fluss­lauf. Auf beiden Seiten fahren Fähren zum Festland. Wir ankern im breiteren, nördlichen Flussarm unterhalb der Fähre. Leider versperrt heute eine Stromleitung die Wei­terfahrt. Sonst hätten wir vor der Jang Jang Lodge von Peter geankert. Denn ich weiss, seine Frau Ana – die Tochter eines ehema­ligen Kulturministers – weilt im Camp und leitet deren Renovationen.
 
Was soll ich über Georgetown schreiben? Vor fünfund­dreissig Jahren bin ich schon einmal hier gewesen. Damals fuhr – als einzige Verbin­dung der Ufer-Dörfer untereinan­der und mit Banjul – die alte White Lady ein Mal pro Woche den Fluss hinauf und hinunter.
Sie dürften jaa nirgends auffahren - sagte mir damals der erste Steu­ermann - der Boden der White Lady sei an der Wasserli­nie durchge­rostet, er würde sofort weg bre­chen...
Als wir in Banjul einstiegen, waren wir die einzigen zwei Weissen, mein Freund Dieter und ich. Einmal mehr!... sag­ten wir zu uns. Kurz bevor die Taue gelöst wurden, kamen aber noch zwei junge Frauen an gehastet. Und als wir näher hinhörten, kam uns ihr Dialekt recht bekannt vor: Aargauerinnen!
Vier SchweizerInnen, fünfundsechzig GambierInnen, vierundneunzig Hühner, zwölf Schweine, drei Geissböcke, sieben Geissen und eine ungezählte Schar Schafe – alles auf der White Lady – die Stapel Reis- und Mehlsäcke, Körbe voller Mangos und Lemonen, Bananenstauden und weiss ich noch was alles sonst, nicht mitgezählt.
Alles ist in Georgetown angekommen – zusammen mit einer Menge weiterer Tiere und Früchte aus den einzel­nen Dörfern – abzüglich all jenes, das dort jeweils auch wieder ausgeladen wurde. Auf dieser Fahrt hat sie es nochmals geschafft, die verrostete aber schön weiss gestrichene White Lady. Gesunken ist sie erst im Jahr danach.Heute erinnert sich niemand mehr an sie. Viel­leicht irgend ein alter Grossva­ter...
Ich habe nicht mehr viele Bilder von damals vor meinem inneren Auge. Die White Lady natürlich - ein Riesenbaum voller Affen, gibt's heute noch - Fischer mit Einbäumen im Abendlicht, das runde Wurf­netz aus wer­fend - aus rie­sigen Piro­gen werden Erdnüsse in einen deutschen Frach­ter umge­laden - ein grosser in allen Grüntönen strahlen­der Baum im wei­chen Morgen­licht, der sich im unbeweg­ten Wasser spie­gelt. Aber das ist bereits ein Dia-Sujets von damals. Die eige­nen Bilder halten weniger lange als die Dias!...
Und heute? Es gibt kein grosses Flussschiff mehr für die Einheimi­schen. Auch die Nachfolgerin der White Lady ist längst gesunken und das Geschenk der Schwedischen Regierung – eher für Touristen gedacht – markiert, wie beschrieben, den Kanal beim Teufelspunkt.
Weiterhin fahren grosse Pirogen auf dem Fluss. Frachtpi­rogen und Pirogen für Touristen. Von Lamin Lodge zur Jam Jam Lodge in Geor­getown zum Beispiel. Sie lassen Touristen während dreier Tage diese einmalige Flussfahrt erleben und sind mit Küche, WC und Moskito­netz geschützten Betten ausgerüstet. Die Fahrt ist ein Erlebnis! Aber nicht für Einheimische.

Für sie – wie könnte es anders sein – beherrscht auch hier das Auto den Verkehr, die Buschtaxis und die grossen Trucks. Am nördlichen Ufer führt heute eine gut ausge­baute Autostrasse täglich Hunderte von ihnen den Fluss hinauf und hinunter. Auf dem südlichen Ufer ver­bindet ein Netz von Naturstrassen die verschiedenen Dörfer. In der Regenzeit fährst du darauf oft von einem Tümpel durch den nächsten Weiher, zur nächsten Furt und so weiter – wasserdichte Stiefel im Auto sind von Vorteil!...
Das aller­dings ist keine Problem für die Einheimischen, die nack­ten Füsse und die Plastiksandalen sind wasser­dicht. Ihr immer grösser werdendes Problem sind die Die­sel- und Benzinpreise. Bald können sich nur noch Begü­terte ein Buschtaxi leisten. Der Warentransport kehrt schon heute auf den Fluss zurück. Wir haben ein Ledi­schiff mit vorge­spanntem kleinem Schlepper den Fluss hinauf fahren sehen. Die Waren seien für die Kaufleute in Basse bestimmt.
Georgetown ist grösser als wir nach dem ersten Spazier­gang in brü­tender Mittagshitze gedacht hatten. Die grösste Strasse ist die „Ladenstrasse“ mit drei-vier kleinen und einem grösseren Verkaufsla­den – der auch hier einem Libanesen gehört – zwei „Restaurants“ zwei Lod­gen und einer Art Bar. Die Läden verkaufen Brot, ein paar Konser­ven, Wasch- und Putzmittel, Insektizid und ein paar offene Grundnahrungsmittel. Die „Restaurants“ waren geschlos­sen.
Auf dem Gemüsemarkt, in einem offen Steingebäude neben der flussnahen Strasse, gibt es ein paar Tomaten und Gurken, Erdnüss­chen geschält oder mit Häutchen, Kartoffeln von hier und Rüebli aus der EU. Auch die Eier und die gefrorenen Poulets kommen von dort.

Wir wollten eines kaufen.
Dort, in jenem „Restaurant“ könnt ihr eines bekommen.
Zum Mitnehmen?
Ja klar!
Leider ist es geschlossen.
Dann aber in jenem dort hin­ten!
Hat im Moment keines.
Aber bestimmt in der Lodge am Dorfanfang!
Noch­mals zehn Minuten in praller Sonne?...
Wir tranken zuerst einmal ein Coke, ein Wasser, ein Bier - nachdem ich es von 45 auf 30 Dalassi herunter gehandelt hatte. Dafür ist es dann auch nur halbkühl gewesen. Plötz­lich krähte im Hof hinter dem Haus ein Hahn.
So ein blödes Viech!.. Thomas sprang auf, ging nach hin­ten, sah sich den Güggel an und fragte dann, können wir den kaufen? Klar, für 150 Dalassi gehört er dir.
Inclusive Metzgen?
Ja, mache ich!
Und so kam es, dass ich am Abend den Gockel mit der Schere in seine Teile zerlegte und mit ihm ein Hühnerfri­kassee kochte, das dem Trockenreis den richtigen Gout gab. Lange gekocht ist auch bei einem zähen Viech schon halb gegessen!

Auch in Georgetown gibt es das obligate Sklavenmahn­mal, wie fast in jedem grösseren Ort Westafrikas. Hier ist es ein ehemaliges Sklaven­haus. Es ist den Menschen bewusst, was wir Weisse drei Jahrhun­derte lang mit ihren Stam­mesbrüdern und Schwestern gemacht haben.
Aber nur wenige wis­sen, dass die Sklaven auch hier zum Teil von ihren eige­nen Oberen an arabi­sche Sklavenhänd­ler verkauft und von diesen an die Weissen geliefert wor­den sind. Das soll in keiner Weise die Verbrechen von uns Weissen beschöni­gen.
Unsere Rasse ist es gewesen, die den Han­del mit Sklaven in die­sem Ausmass begründet und ihre Arbeitskraft zur Erwirtschaftung enormer Gewinne miss­braucht hat. An den Gewinnen waren auch Schweizer – schon damals über Banken – beteiligt; offenbar unbehel­ligt von moralischen Skrupeln, angesichts der bekann­ten Grausamkei­ten und Exzesse beim Transport und auf den Arbeitsfeldern der neuen Welt. Dreissig Millionen sollen drüben angekom­men, gleich viele auf dem Trans­port gestorben sein...
Ein „Holocaust“ einer anderen Dimension!
Bei uns ist dieses neuere Verbrechen in starker Erinne­rung; in West­afrika jenes der Sklaverei tief im Unterbe­wusstsein verankert. Immer stärker drängt es an die Ober­fläche. Mich wundert, dass uns nur wenige dieser Men­schen hassen. Viele betrachten uns als ihre Brüder und Schwestern. Wie weit und grosszügig muss die Seele die­ser Völ­ker sein? Und zu was sind die einzelnen Men­schen fähig, wenn sie sich nach ihrer eigenen Art und Weise bil­den? Ein Mann wie Mandela hat uns gezeigt, was in ihnen ver­borgen lebt.


Susi und Christoph verhandeln mit einem Buschtaxi. Sie wollen die letzten paar Tage am Strand bei Banjul und nicht auf dem Boot ver­bringen. Christoph hat Ferien nötig und sie waren bereits geplant, als er meinen Anruf bekam. Meinetwegen hat er alle Ausruhe-Pläne über den Haufen geschmissen und ist hierher gekommen. Nun möchten sie die letzten Tage einfach ausruhen. Ich begreife das, um so mehr als es nachts im Schiff ungewohnt heiss ist und die Moskitos trotz Netz immer wieder ein Loch finden um her­ein zu schlüpfen und den Schlaf zu stören.
Der Preis ist eigentlich klar und mit dem Chauffeur abge­macht. Da kommt der Besitzer des Peugeots und verlangt zusätz­lich fünfzig Dalassi für das Gepäck. Darüber verhan­deln wir nicht, sage ich zu ihm. Entweder bist du mit den übli­chen fünf Dalassi zufrieden oder ich gehe rüber zur Poli­zei und frage sie, was rechtens ist.
Da gibt er nach und nimmt nicht einmal mehr die ihm zustehenden Fünf. Das begreife nun ich wieder nicht. Warum nimmst du die dir zuste­henden Fünf nicht? Ich will sie nicht. Punkt. Ist er zu stolz um sie zu nehmen, nach­dem er unterlegen ist?
Wie rätselhaft ist die Gedankenwelt eines Afrikaners. Und ich habe mir oben eine Beurteilung angemasst?...

Der Peugeot fährt an. Kurzes Winken, auf Wiedersehen im Winter! Ich danke dir, Christoph!
Zwei Tage später fahren auch wir den Fluss hinunter.
Jetzt wirkt sich die Tide umgekehrt aus. Wir haben nur noch etwa fünf Stunden mitlaufendes – ablaufendes – Wasser. Und da der Fluss zu der Zeit am späten Abend kentert – das Wasser Fluss abwärts zu fliessen beginnt – fahren wir nur bis zu einer kleinen Insel eine Stunde fluss­abwärts und ankern dort für die Nacht.
Auf der Insel sollen grün gefärbte Vögel leben, die weiss werden, wenn sie früh am Morgen im Dämmerlicht aufflie­gen... wenigstens steht das so im Führer.
Thomas – normalerweise eher ein Morgenmuffel – steht also um fünf auf und stellt sich mit Feldstecher, Kamera und Mouvicam an Deck.
Kaum ein müdes Vögelein sei aufgeflogen, heute Morgen und die Farbe gewechselt habe kein einziges – erzählt er beim Morgenessen.
Dafür habe ich ein kleines Schauspiel erlebt – nur viel spä­ter. Wir ankerten so nahe am Festlandufer wie mög­lich, weil es gegen das Inselchen hin seicht wird. Uns gegen­über stand ein stattlicher Baum. Zwischen seinem Stamm und dem nächsten Gebüsch klaffte eine grosse Lücke. Und die war nun ausgefüllt mit einer wandernden Reihe Affen, grossen, kleinen, die alle im „Gänsemarsch“ zum Baum hin gingen. Die Grossen liefen eher aufrecht, die Kleinen mit auf dem Boden aufgestützten Händen. Eine richtige Kara­wane – und dann - hop und es wim­melte nur so in der Krone. Und wieder wurden wir beäugt, beschnattert
zu weit weg, da können wir nichts holen, uninteressant - und somit gingen sie zur Tagesordnung über...
Wir fuhren am Nachmittag weiter.

Bei der Flussaufwärts-Fahrt hatten wir schönes Wetter und Gegen­wind gehabt. Segeln unmöglich. Jetzt war es gewit­terig, diesig und – Gegenwind!
Die schlechte Sicht machte die Navigation etwas schwieri­ger. Nach dem Teufelspunkt musste ich zum Teil nach Kompass fahren und unsere Positionen mit Peilen bestim­men. Der GPS ist auf dem Fluss nicht brauchbar.


Wir haben ein paar Uferdörfer besucht.
Das erste, Kudang Tenda, sieht vom Fluss aus so unbe­rührt und exo­tisch aus, mit seinen Rundhütten aus bemal­tem Lehm und den Dächern aus Stroh, den kleinen Feuer­chen neben den Hütten, den Frauen in ihren bun­ten, lan­gen Gewändern. Und erst die Kinder!... Hun­derte und alle so herzig, fröhlich und verspielt. Vom Schiff aus!..

Fährst du dann hin mit dem Dinghy, watest durch den Morast ans Ufer, kommen sie alle daher gerannt – Hundert Kinder - und wollen hel­fen. Das Dinghy an den Strand ziehen oder wenigstens deine Tasche tragen. Und schon bald spielt Julia die Lehrerin, spielt, singt und tanzt mit ihnen. Dann möchten sie mit ihr Ball spielen, aber der Ball hat ein Loch.
Im Laden drüben gibt es welche und sie ziehen sie hin­über und zei­gen ihr, welchen sie kaufen soll...
Dieweil bin ich zwischen den am Dorfrand zerstreut und weit ausein­ander liegenden Hütten zur Strasse gegangen und dann Dorf ein­wärts ebenfalls zum Laden gelangt, dem einzigen im Dorf. Ein junger Mann hütet ihn.
Brot?
Nein, das gebe es im Dorf nicht, aber er könne holen las­sen, ein paar Kilometer Land einwärts, im Hauptdorf, hier, das sei das Fischerdorf.
Und Fische?
Nein, Fische gebe es heute auch keine. Morgen wieder.
Die gefangenen Fische werden entweder selber gebraucht und die begehrteren gleich am Morgen an den Händler verkauft. Brot ist für die meisten Menschen hier Luxus; zu teuer.
Ich gehe weiter, ins Dorf hinein. Ein Mädchen stampft Hirse im Mör­ser. Ich schaue ihr zu. Da hört sie auf und kommt zu mir: gif mi moni! don moa moni!
Ach so! Gib mir Geld! Ich frage zurück: pourquoi? Pour­quoi veux tu monais?
Keine Antwort, sie wiederholt ihre sechs Worte, lacht und beginnt wieder zu stampfen. Als mich etwas weiter im Dorf drin ein älterer Mann mit den selben sechs Worten anspricht und ebenfalls ver­ständnislos und etwas ärgerlich reagiert, als ich ihn zu fra­gen versuche, wofür?.. da gehe ich zurück zum Strand. Dort sitzen ein paar Fischer und fli­cken ihre Netze. Aus einem Transistorradio tönt der Kom­mentar zu einem Fuss­ballmatch.

Im Dorf bei der Elefanten-Insel kommen wir mit Blitz und Donner an. Ein gewaltiges Gewitter entlädt sich über dem schmalen Kanal zwi­schen Festland und Insel. Vor uns fah­ren drei Kanus. Die Männer rudern wie wild um so schnell wie möglich den Landeplatz zu errei­chen. Der Regen klatscht waagrecht durch die Gegend mit so gros­sen Trop­fen, dass Julia zuerst meint, es sei Hagel. Er brennt auf der nackten Haut.
Beim Landeplatz ist der Kanal zu tief, um zu ankern. Ich wende und fahre hundert Meter zurück wo ich beim Vor­beifahren eine Stelle mit acht Metern Tiefe gesehen habe. Dort wirft Thomas den Anker. Er hält und wir ver­kriechen uns ins Innere des Schiffes. Dort ist es tro­cken, warm und ruhig. Das Dorf besuchen, das können wir auch noch am nächsten Morgen!
Nach dem Morgenessen in der Sonne fahren wir zur Lan­destelle. Ein paar verkohlte Palmstämme ragen knapp aus dem Wasser, am Ufer sind die Kanus und zwei-drei Piro­gen angebunden, das Dorf liegt einige Hundert Meter landein­wärts.

Ein Bild aus meiner ersten Reise auf dem Gambia steigt vor mir auf: Ein Steg aus Palmstämmen, die White Lady macht daran fest. Der Steg schwankt bedrohlich und zwi­schen den Palmstämmen auf denen die Menschen nun zum Schiff balancieren – mit Körben voller Waren auf dem Kopf! – öffnen und schliessen sich die Zwischen­räume.
Ein gefährlicher Weg!
Das Dorf liegt einige Hundert Meter landeinwärts. Von dort kommt nun eine ganze Schulklasse, scheint uns, voran der Lehrer. Als sie beim Steg ankommen, hat der Lehrer alle Mühe und muss seine ganze Autorität einset­zen, um die vorwitzigsten seiner Schützlinge davon abzu­halten, auf den Steg hinaus zu laufen. Sie möchten doch näher zum Schiff hin und die vier Dubab – Weissen - bestaunen.

Heute sind Dubab keine Sensation mehr, auch wenn nicht täglich welche daher kommen. Wir werden von einem jun­gen Mann durchs Dorf geführt, der gut Englisch spricht. Auch dieses Dorf ist arm. Die Menschen sind Selbstversor­ger. Niemand hungert aber die Ernährung ist eintönig. Reis und Hirse, wenig Gemüse, selten Fleisch, hin und wieder Fisch oder Shrimps – wenn der Händler mal nicht kommt oder nicht alles kaufen will. Das Geld brauchen sie für Kleider und als Schulgeld für die Kinder. Wenn es nicht reicht – keine Schule!
That’s our live! Was wollen sie? Ich habe das Glück – sagt unser jun­ger Begleiter – dass ich jetzt sogar auf die Hoch­schule in Banjul gehen kann. Momentan sind Ferien und ich bin ins Dorf zurück gekommen, um meinen Eltern zu helfen.
Und warum bettelt uns hier niemand an?
Das ist die Erziehung! Der Lehrer erzieht die Kinder dazu. Er sagt ihnen immer wieder, sie sollen stolz auf das sein, was sie können. Sie sollen noch mehr lernen, wenn mög­lich einen Beruf! Und sie sollen keine Dubab anbetteln!



Am Unterlauf des Flusses. Nachdem wir die James Insel passiert haben, ankern wir am Nordufer vor dem grossen Dorf Albreda, das heute praktisch mit Jufureh zusammen gewachsen ist. Jufureh ist berühmt geworden durch das Buch „The Roots“ des schwarzen ame­rikanischen Schrift­stellers Alex Hailey. Dort hat er sie gefunden seine Wur­zeln – the Roots. Dort soll sein Urgrossvater geboren, gefangen und in die Sklaverei verschifft worden sein. Ken­ner der hiesi­gen Geschichte bezweifeln es zwar.
Alb­reda ist seit der Zeit der portugiesischen „Entdeckung“ ein Han­delsplatz gewesen, die Bewohner der umliegen­den Dörfer also mit den Praktiken der Europäer bekannt und es sei unwahr­scheinlich, dass sich dort noch Schwarze hätten fangen und verschiffen lassen.

Wie dem auch sei, auch hier steht ein grosses Mahnmal gegen die Sklaverei. Die beiden Dörfer sind zu einer klei­nen Attraktion für schwarze amerikanische Touristen geworden, im Touristen Camp können sie übernachten.
Ist das Dorf nun touristisiert?
Wir haben ein ganz normales, ein wenig wohlhabenderes Dorf ken­nen gelernt. Die Häuser sind hier vorwiegend mit Wellblech gedeckt, was sie teuerer, dafür aber dicht macht. Die Wohnqualität jedoch ist schlechter, weil ein Blechdach die Sonnenhitze nach unter abstrahlt, woge­gen ein Stroh­dach gut dagegen isoliert. Heute ist das Blech auch hier ein Statussymbol – morgen werden sich die Wohlhaben­den wieder ein Strohdach leisten – viel­leicht mit Wellblech darüber. Eine Entwicklung, die ich vor Jah­ren schon auf den Marquesas Inseln gesehen habe.

Im Muslimischen Dorfteil wurde ein Hochzeitsfest vorbe­reitet. Einige jüngere Frauen in ihren wehenden, bunten Tüchern siebten mit ver­schieden, immer feiner geflochte­nen Sie­ben, nach althergebrachter Art, gestampfte Kör­ner. Sie nahmen keine Notiz von mir. Ein paar ältere Frauen sassen um ein Feuer herum und koch­ten daraus Cous Cous. Lachend forderten sie mich auf, zu kosten, formten in der Hand daraus eine Kugel und gaben sie mir. Es schmeckt genau gleich wie das unsere und ist genau so trocken. Die Sauce dazu – wenn es denn wel­che dazu gibt – war leider noch nicht fertig.

Gegen den Fluss hin liegen ein paar weitere Gehöfte mit dem charak­teristischen hohen Zaun darum herum, aus in Reihe gebundenen, rohen Holzknüppeln. Eine junge Frau – vielleicht achtzehn jährig – stand in einem der Höfe und rief mich auf Englisch an. Eigenartig!
Ich blieb stehen und sie kam heraus, begrüsste mich und begann mit mir zu plau­dern: woher ich komme, wohin ich gehe, warum ich gerade hierher gekommen sei und so weiter. Als ich sie  fragte, ob es denn für sie nicht verbo­ten sei, ganz allein mit einem fremden Mann und dann noch einem Weissen, zu reden, lachte sie – das sei nur bei Mohammedanerin­nen so, sie aber sei Chris­tin. Sie sei frei, sie dürfe reden mit wem sie wolle.

Ich denke, das ist die Zeitbombe der Islamischen Kultur.
Wie lange lassen sich die Mohammedanerinnen das noch gefallen? Werden die Männer fähig sein, den unvermeidli­chen Umbruch lang­sam zu vollziehen?
Werden sie ihn zu verhindern trachten, gleichsam den Deckel zu hal­ten? Dann würde es zur Explosion kommen und den gesamten Islam in all seinen Schattierungen gewaltig schwächen.
 
Wir erreichen Banjul und wollen gleich weiter zur Lamin Lodge fah­ren. Das aber hat seine Tücken weil die Einfahrt in den Creek der dorthin führt, eng und unsichtbar ist. Prompt fahre ich im weichen Schlick auf, dabei zeigt der Tiefenmesser 10,4 m an. Also messen wir mit dem Hand­lot weiter. Es geht. Nach einigem weiteren Schlickrut­schen erreichen wir den etwas tieferen Creek. Endlich!
Oder auch nicht. Wir fahren in einen gewaltigen Gewitter­sturm hin­ein. Blitz und Donnerschlag rundum. Und der Regen stürzt so dicht, wir sehen kaum vierzig Meter weit. Zwei Mal verfahren wir uns.
Die Creek hier formen ein Labyrinth!
Endlich erreichen wir den Lamin Bolon, nass und frierend - aber froh! Der Anker fällt, wird eingefahren – wir sind sicher.
So endet unsere Gambia River Fahrt. Und erst am nächs­ten Tag erfahren wir, dass der selbe Gewittersturm die Touristen-Lodge in Albreda böse zugerichtet hat.

Wieder ein Abschied, diesmal von Peter, Joe und der Crew der Lamin Lodge. Ich habe mich hier bereits ein wenig heimisch gefühlt und wir sind Freunde geworden, Peter, Joe und ich.

Am 22. Juli lichten wir den Anker. A Dieu Gambia!
Über die Fahrt nach Dakar ist nicht viel zu sagen. Knapp hundert Mei­len nach Norden, zuerst mit gutem Südwest­wind, die zweite Hälfte dann mit Nordostwind.
Ist das bereits der Passat, der uns dann die nächste lange Stre­cke vorwärts treiben soll?



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