15 - Bijago Archipelagos

Die Ankunft im Bijagos Archipel hatten wir nach unse­ren Karten vor­aus geplant und einen guten Punkt gewählt, um hinter die vor gela­gerten Sandbänke zu fahren. Gegen Abend kamen wir an. Welche Überraschung! Anstatt der Durchfahrt, lag dort eine lange, komplett geschlossene Sandbank. Weder die elektroni­sche noch meine physi­sche Karte stimmen. Natürlich, Sand­bänke schliessen sich, wer­den zu Inselchen oder ver­schwinden mit den Jahren. „Unsere“ Durchfahrt wird jetzt durch eine kleine Sandinsel ver­sperrt.
Wir fahren dieser Kette aus Sandbänken und Inselchen  entlang nach Westen und suchen einen anderen Eingang.
Die Sonne nähert sich immer mehr dem Horizont, in ein­einhalb Stun­den wird es dunkel. Dann müssen wir drin sein! Wenn nicht, haben wir ein echtes Problem.
Zum Glück steigt das Wasser, das vergrössert unsere Chance.
Endlich erreichen wir einen Durchgang. Ich versuche zwi­schen den beiden Sand­bänken hindurch zu steuern. Es geht. Wir sind jetzt auf einem Sandplateau. Aber bald merke ich, weiter nach Norden zu, nimmt die Wassertiefe ab. Dort liegt eine zweite Kette mit Sandbän­ken. Dort kommen wir nicht durch. Also suchen wir einen Ausgang aus diesem untiefen Laby­rinth, finden ihn und das Resul­tat der Exkursion, wieder eine Viertelstunde verloren.

Irgend wo muss es doch einen Eingag geben!
Nach einer wei­teren, unendlich langen viertel Stunde glaube ich ihn zu sehen. Nach den Karten ist er unpassier­bar. Nach meinen Augen und meinem Gefühl muss es gehen. Also hinein!
In der Einfahrt steigern sich die Wellen, fast überschlagen sie sich. Aber nur fast. Bange Momente. Ist die Sandbarre zu hoch für uns? Sitzen wir auf, im nächsten Wellental? Nein. Wir kommen durch. Überall knapp zwei Meter Was­sertiefe. Dann wird es tiefer. Drinnen – endlich!
Voraus sehen wir Felseninselchen an Steuerbord und Sanddünen an Backbord. Ist auch hier alles versandet? Beim Felsen könnte es einen schmalen Durchgang geben. Wir fahren hin.

Es gibt ihn! Langsam fahre ich hindurch, ins offene Was­ser. Ins tiefe Wasser zwi­schen der langen Kette aus Sand­bänken, Untiefen, Felsen und den dahinter lie­genden Man­groven-Inseln.

Dann ging die Sonne unter. Ihr Licht reichte gerade noch um zwei Meilen zurück nach Osten zu fahren – jetzt mit der Tide und sechs Knoten über Grund.
Mit dem letzten Lichtschein fällt der Anker neben der Ilha de Imbone. Wir sind auf den Bijagos angekom­men!
Am 2. Juni. Nach 25 Tagen auf See.

Vor Anker neben Ilha de Imbone.
Wahrscheinlich bin ich einfach müde und etwas ausge­laugt, nach der langen Zeit mit vor allem Julia und mit Thomas; und ziemlich depri­miert, seit den Seychellen. Darum ist im Moment alles ein bisschen dunkel. Einmal, als ich mich während der Fahrt hinten an die Treppe gehängt hatte, sagte ich zu mir, du musst nur dei­nen Fin­gern befeh­len, lasst los. Und alles ist vorüber.
Aber zehn-fünfzehn Stunden sind lang. Zu lange. Und im kalten Was­ser, unten in Süd­afrika, da ist niemand ins Was­ser gegangen. Auch ich nicht.
Solche Gedanken kommen nur, wenn ich müde bin und die Gelegen­heit gerade da ist. Sonst schaue ich eher in die Zukunft.
Es ist schon verflixt. Es könnte so schön sein auf der WAHOO. Aber sie hat dieses riesige Handicap, sie ist ein­mal das Segelschiff zweier Liebender gewesen. Die schönste Zeit auf ihr, habe ich damals erlebt. Die Erinne­rungen sind zu stark, zu schön und jetzt so bedrückend.

Julia und ich nehmen uns zusammen. Ich vermeide mög­lichst Kon­takte und rede nur das nötige mit ihr. Thomas und ich haben kaum Probleme. Wir arbeiten zusammen, wettern zusammen Gewitter­stürme ab, haben es zusam- men relativ gut. Nur wenn ich wieder einmal etwas mache, das er sich nicht getrauen würde – zB bei Stark­wind auf den aus gefierten Baum hinaus klettern um das 2. Reff­seil zu klarieren, musste einfach getan werden! – dann versucht er mir ein-zwei Tage lang irgend welche Fehler nachzu­weisen. Ich kann ihn begreifen. Seit ich’s durch­schaue, macht es mir auch nichts mehr aus.
Auf jeden Fall freue ich mich auf den Moment, da Julia all ihr Zeugs wieder von Bord nimmt. Vor allem ihre Tausend  Plastikgeschirr­chen, die sie hortet. Aber so sind die Men­schen eben - verschieden. Und ich habe auf dieser Reise gelernt – so hoffe ich wenigstens – ein wenig duldsamer zu sein. Es würde mir gut anstehen!

Gestern und heute haben Thomas und ich die Schäden repariert, die der zweite Tornado verursachte. So sollten wir Portugal problemlos erreichen können.
Morgen fahren wir zwischen den Inseln weiter.
Es gibt keine – oder wir haben keine - genauen Seekarten dieses Archipels. Augennavigation, das Erkennen der untiefen Stellen an der Färbung des Wassers ist nicht möglich, das Wasser viele zu trübe. Ebbe und Flut sind stark, bei Springtide läuft der Strom mit mindestens 2 Knoten.
Die Navigation ist also nicht gerade einfach. Ich werde kaum vom Ruder weg kommen. Thomas getraut sich nicht in solchen Gewässern zu fahren und Julia traue ich es nicht zu.

Die über 80 Inseln des Bijagos-Archipels gehören zum Bolama-Biore­servat. Nördlich und westlich der Ilha Imbone liegt die grosse Ilha de Orango. Sie bildet zusam­men mit Imbone, Bubaque, Meneque und Organghozinho ein grosses, nur durch schmale Kanäle getrenntes Gan­zes, den National­park Orango. Daneben liegt der Meeresnatio­nalpark Joao Veira-Poilao. Dort legen von September bis Januar die rie­sigen grünen Meeresschild­kröten ihre Eier am Ort ihrer Geburt ab. Es soll jeweils ihre grösste Ansammlungen in Afrikas sein.
So viel ich weiss, leben auf den Bijagos die einzigen Salz­wasser Flusspferde und Nilkrokodile. Auch Nilwarane soll es geben und das afrikanische Manatee. Wir selber konn­ten immer wieder viele ver­schiedene Vögel beobachten.
Manatees – die Seekühe - leben nicht hier draussen son­dern an Flussmündungen weil sie immer wieder Süsswas­ser trinken müssen. Für Flusspferde, Krokodile, Warane hingegen ist dieser Nationalpark ein idealer Lebensraum.
Mit der WAHOO können wir nur den grössten der Kanäle befahren. Das werden wir! Die kleinen jedoch – dort wo diese Tiere am ehes­ten an zu treffen sind – die müssten wir mit dem Dinghy erkun­den.
Sollen wir – sollen wir nicht?
Viel zu gefährlich, ist die Meinung der Crew. Wenn das Schlauchboot von einem Hypo umgeworfen würde, schwämmen wir zwischen Kro­kodilen....
Wäre ein etwas zu echter Adventures Trip!

Der tiefste der verschiedenen Kanäle verläuft zwischen der Ilha Bubaque (ohne de) und der Ilha de Orangozinho. 
Er beginnt nord­östlich unseres Ankerplatzes bei der Ilha de Imbone. Ihm wollen wir folgen um ins Innere des Archi­pels vor zu dringen. Vielleicht gibt es auch dort ein paar Hypos oder Warane.


Am nächsten Morgen fahre ich vorsichtig los. Es sind vier Seemeilen hinüber zum Eingang. Eine Untiefe folgt der anderen. Kaum glaube ich, endlich das tiefe Wasser erreicht zu haben, sinken die Zahlen am Tiefenmesser wieder bedrohlich und ich muss nach Backbord auswei­chend, weg von der Ilha Orango, an deren östlichstem Ende wir jetzt entlang fahren. Endlich erreichen wir Bubaque und ich kann in die Mitte des Kanals einschwen­ken. Endlich tiefes Wasser. Endlich kann auch ich die Fahrt geniessen.
Der Kanal ist knappe eine Meile breit. Auf beiden Seiten stehen die Mangroven dicht an dicht. Es wäre kaum mög­lich an Land zu gehen. Vögel sehen wir eine Menge. Aber keine anderen Tiere. Der Kanal ist zu tief für Hypos. Und für Krokodile? Vier Stunden lang fahren wir so durch den Mangroven-Dschungel. Kein Hypo, kein Krokodil, kein Waran lässt sich bli­cken. Dann erreichen wir wieder offe­nes Wasser. Offen und untief!
Ins trübe Wasser jedoch getraue auch ich mich nicht...

Stell dir einen grossen See vor, viel grösser als der Boden­see. Ufer sind nicht zu sehen. Dafür liegen viele kleine Insel­chen darin, zum Teil nahe bei einander, wie von klei­nen Flüsschen getrennt - zum Teil mit grossen Wasserflä­chen dazwischen.
Die Ränder der Inselchen sind gesäumt von dunkelgrünen Mangro­ven. Auf den grösseren siehst du Hügelchen aber auch ganze Hügel­züge, überragt von Palmen, vereinzel­ten Mangobäu­men und übersät mit Gebüschen und Bäum­chen in allen Grün-Schattierungen: Grün schim­mernde Inseln im graugrünen Wasser.
Graugrün ist das Wasser, weil es von feinsten Pflanzen- und Erdres­ten getrübt wird. Du siehst darin keinen viertel Meter weit. Grund kannst du nirgends ausmachen. Nir­gends gibt es auch nur kleinste Anhaltspunkt über die Wassertiefe.
Und doch weisst du, es ist überall untief, überall läufst du Gefahr, aufzufahren, stecken zu bleiben im Morast.
Irgendwo unter dieser riesigen Wasserfläche verstecken sich Priele, eine Art Flüsschen. Sie winden sich durch die­sen Morast, verborgen unter dem trübem Wasser. Manch­mal mäandern sie, manchmal lau­fen sie schnurge­rade von Insel zu Insel. Dort drin ist es tief genug für die WAHOO - daneben vielleicht auch, vielleicht nicht, viel­leicht nur bei Hoch­wasser.


In ein paar Stunden ist Hochwasser, das gesamte Flach­land bereits überschwemmt. Nach der Karte müssten grosse Teile der vor uns lie­genden Gewässer tief genug sein. Wir versuchen es und fahren wei­ter, bis zur Ilha de Bubaque und ankern zwischen ihr und der Ilah de Rubane. Gegen Nordwesten hin sind wir geschützt durch die Ilha de Soga.
Am nächsten Tag fahren wir bei Niedrigwasser los.
Jetzt sehen wir die Priele, können ihnen folgen. Sie sind auch bei Ebbe meistens tief genug für die WAHOO,  obwohl der Wasserstand zwischen Ebbe und Flut bis zu fünf Meter differiert. Schwierig ist nun, bei Abzweigungen die richtige zu nehmen. Dabei helfen uns aber unsere Kar­ten.
Die Landschaft sieht total anders aus als bei Flut. Auf bei­den Seiten der dünnen Wasserstrassen erheben sich „Uferhügel“ und Senken, grau bis schwarzgrau. Manchmal verdecken sie beinahe die Sicht auf die Sumpfebene, die sich vom „Ufer“ bis hin zur nächsten Insel erstreckt. Es ist ein eigenartiger Anblick. Statt des bewegten, grau­grünen Wassers, in dem manchmal weisse Schaumkrönchen auf­blitzen – eine unbewegte, wie erstarrte Sumpflandschaft, abgerundete Formen, zurecht modelliert vom Wasser, das hier bald wieder fliessen wird.
Viele verschiedene Vögel, Flamingos, Pelikane, Kormo­rane, Kronen­kraniche und vor allem Störche, waten, schreiten, trippeln im Sumpf und suchen ihr tägli­ches Fut­ter, Schne­cken, Würmer, Krebse.
Der Archipel ist das zweit-wichtigste Überwinte­rungsgebiet für euro­päische Zugvögel in West­afrika. Die riesigen Sumpfgebiete und die Tro­penwälder, Mangroven und Savannen der Inseln sind aber auch ideale Lebensräume für viele tropi­sche Vögel.
Als Hauptrichtung haben wir heute Westen. Wir möchten zur Ilha Formosa. Das ist ein langer Weg und das Wasser steigt und steigt. Bald sind die Sümpfe wieder unter Was­ser und es wird gefährlicher. Wieder sehe ich die Priele nicht mehr und navigiere im „Dunkeln“ – allein geleitet durch den Tiefenmesser . Einmal bin ich richtig aufge-lau­fen. Aus der Karte wusste ich, wir wür­den bald recht-wink­lig nach Backbord abbie­gen müssen. Aber ich hatte keine Ahnung, wo genau. Dann sah ich eine Stange im Wasser, dachte, das ist das Zeichen der Fischer dafür und hielt darauf zu. Hun­dert Meter davor sassen wir auf Grund. Rund herum nur noch einen Meter Wasser. Klar, hier schwimmen die hölzernen Pirogen der Fischer noch,  die WAHOO nicht mehr! Nach einer hal­ben Stunde war das Wasser weit genug gestiegen – wir kamen wie­der frei.
Nur auf etwa 20 Inseln des Archipels leben Menschen. Sie nennen sich Bijagos. Noch hat sie die moderne Zivilisation kaum berührt. Sie sind weitgehend Animisten und leben seit Jahrhunderten im Einklang mit und von der Natur, ohne das ökologische Gleichgewicht zu stö­ren. Ihre mut­terrechtlichen Strukturen sind wohl der beste Garant für den Schutz dieses einmaligen Natur­erbes.
Die landwirtschaftlichen Nutzflä­chen sind Gemeineigen­tum. Darauf bauen sie ein wenig Reis an, Ölpalmen und leben ansonsten vom Fischfang und der Jagd.

Es soll auch hier Interessen geben, dieses Paradies, vor allem seiner reichen Fischgründe, aber auch seiner noch  unberührten Natur wegen, wirtschaftlich auszubeuten. Von Massentourismus und Gross-Fischfang wurde schon gesprochen. Erdöl Bohrungen sind geplant. Die National­parkverwaltungen und die Regierung von Gui­nea-Bissau befürworten jedoch einen naturverträglichen Tourismus, dem sein exklusiver Cha­rakter erhalten bleiben soll.

Die spanische Naturschutz-Stiftung Fundación CBD-Habi­tat (Stiftung zum Schutz der Biodiversität und ihrer Habi­tate) versucht deshalb ein Natur- und Kulturver­trägliches Touris­mus-Konzept zu etablieren. Hof­fen wir, dieses ein­malige Natur­erbe bleibe der Welt so erhalten!
orangohotel.com - ist die Adresse des einzigen Hotels auf den Bija­gos Inseln, das diesem Konzept verpflichtet ist. Es liegt auf der Ilha de Orango. Ferien dort sind vermut­lich ein ziemlich einzig­artiges Erlebnis.

Morgen geht’s weiter zu den Inseln Carache und Caravela und über­morgen verlassen wir dann wahrscheinlich den Archi­pel und segeln die hundertfünfzig Seemeilen nach Gambia. Wir haben wenig Zeit - und ich eigentlich auch keine Lust - hier in diesem Paradies länger zu verweilen. Mein Ziel ist Portugal. Aber ich weiss jetzt schon, es wird mich reuen, auf den Bijagos nicht länger verweilt zu haben.
Auch Julia will weiter – aber weil es ihr hier nicht gefällt. Zu ruhig, es läuft nichts, nur Wasser und Inselchen, nur ein paar Vögel und ein paar Fischer in ihren Pirogen. Sie ist „chiibig“ und Thomas muss ein­mal mehr überneh­men, sie zu beruhigen und ihr auch das schöne an diesem Archipel zu zeigen.
So, nun genug über unser Bordleben. Wir essen gut – sehr reichhal­tig und teuer... und gedeihen. Vor allem Tho­mas’ Bäuchlein und Julia im Ganzen. Ich versuche, mich mit etwelchem Erfolg in Grenzen zu halten...
Am fünften Tag verlassen wir den Archipel und segeln mit Motorun­terstützung auf dem Kanal der von Bissao aufs offene Meer hinaus führt. Der Wind steht genau gegen an.
Um 1445 Uhr – ich schlafe gerade – stellt der Motor ab.
Thomas und ich treffen uns erstaunlich schnell im Cock­pit. Die Kur­belwelle lässt sich nicht mehr drehen. Blo­ckiert! Der ganze Motor blo­ckiert!
Wir beginnen aufzukreuzen und segeln bis sich der Wind legt und wir vor Anker gehen. Der Meeresstreifen entlang der Küste nach Gambia hin­auf, ist auf einer Breite von bis zu acht Seemeilen nur zehn-zwölf Meter tief. So konnten wir jederzeit „auf offe­nem Meer“ ankern.
Wir haben gese­gelt, wenn es Wind gab – meistens kam er von vorne... und gean­kert, wenn er zu wehen aufhörte. Und wir haben gebetet - um ein paar sturmfreie Tage...
Segeln wie in alten Tagen!
Das ist für „moderne“ Menschen ziemlich gewöhnungsbe­dürftig. Vom Wind abhängig sein, das haben wir ver­lernt. Einfach den Anker wer­fen – anstatt den Motor  starten - wenn kein Wind uns mehr voran treibt, das ist eine neue Erfahrung. Vor allem weil wir wissen, wir haben keine Alternative. Wir sind wirklich vom Wind abhängig. Wenn der nicht weht, geht nichts, kommen wir nicht vor­wärts, erreichen wir unser Ziel nie.
Schon bald erreichten wir Kap Skirring und dann die Mün­dung des Flusses Casamance. Er gibt seinen Namen dieser fruchtbaren Gegend, die er bewässert, dem Süden Sene­gals.
Verlockend wäre es, hier einzulaufen, aber relativ gefähr­lich, ohne die Hilfe des Motors. Vor allem aber hätten wir keine Chance gehabt, ohne ihn nach Ziguinchor, der Hauptstadt hinauf zu segeln, dem ein­zigen Ort, wo er – vielleicht – hätte repariert werden können. Also segeln wir weiter und hoffen auf Banjul.

Wir haben Banjul erreicht. Am vierten Tag am Morgen um zwei Uhr dreissig fiel unser Anker vor dem Dockjard. Genau dort, wo Ankern für kleine Schiffe vorgesehen ist.
In der Nacht in den Fluss hinein zu segeln ist zwar nicht unser Ziel gewesen und nach der elektronischen Karte – die Thomas fleissig konsultierte – segelte ich ständig über Land. Aber ich wollte ganz einfach den vorhandenen Wind ausnützen und nicht mehr vom mor­gigen Wind abhängig sein.
Ich hatte eine gute physische Detailkarte der Einfahrt, wusste jeder­zeit, wo ungefähr wir waren - vor allem aber wie viel Wasser ich unter dem Kiel hatte. Darum fühlte ich mich relativ sicher.
Sicher in Banjul angekommen! Unser nächstes und drin­gendstes Ziel war erreicht. Nun kam der Papierkram mit den Beamten. Und dann die Suche nach einem sicheren Ankerplatz. Denn sicher musste er sein, damit wir dort den Motor zerlegen konnten. Ohne Gefahr zu laufen, irgend wo hin getrieben zu werden.
Mit viel Glück finden wir einen solchen Ankerplatz. Bei der Lamin Lodge, im Lamin Bolong oder Creek. Die Lodge gehört Peter. Er lässt uns von einer seiner Pirogen dort hin schleppen. Dann beginnen Tho­mas und ich den Motor auszubauen, im Cockpit auseinander zu neh­men und in seine Einzelteile zu zerlegen.
Bald wissen wir, die Nockenwelle ist gebrochen weil eine Unterlag­scheibe zwischen die Steuerkette und das Kurbel­wellen-Zahnrad gefallen ist. Die Kette ist deshalb geris­sen und der vierte Kolben hat über das Ventil die Nocken­welle gebrochen, eine Welle von Daumen­dicke!
Woher aber kam die Unterlagscheibe? Vergessen beim  Zusammen­bau in Süd Afrika? Vermutlich!

Den Motor auseinander nehmen, das gelang uns ja ganz gut. Viel wichtiger ist jedoch:
Wo erhalten wir die Ersatzteile?
Wer setzt sie ein und unseren Dieselmotor wieder zusam­men? Wer stellt ihn richtig ein?




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