1 + 2 - Eine Art Vorwort oder auch Gebrauchsanleitung
 
Diese Berichte sind Momentaufnahmen. Sie spiegeln mei­nen momen­tanen seelischen Zustand und das was ich schildere, ist in diesem Zustand geschrieben, unge­schminkt, so wie ich es gerade sehe. Mit anderen Worten, es sind reine subjektive Wahrnehmungen, die einen Tag später ganz anders wahrge­nommen und aufgeschrieben würden.
Das gilt vor allem für die gruppendynamischen Abläufe. Sie ändern sich laufend und so ändert sich auch meine Wahrneh­mung der Crew immer wieder. Einerseits lernen wir uns immer besser kennen, pas­sen uns einander an, begreifen die Bedürf­nisse jedes anderen und lernen, uns darauf einzustellen. Das ist ein langer Prozess, der immer wieder zu Reibereien führt. Genau das spiegelt sich auch in diesen Berichten, die darum nicht endgültige, sondern momentane Einschät­zungen sind, die sich wieder ändern werden.
Ich denke aber, dieses Auf und Ab in der Gruppendyna­mik gehört zu einer solchen Reise. Da ich einen ehrlichen – und darum subjektiven – Bericht schreiben will, klam­mere ich diese Abläufe nicht aus, bitte aber die LeserIn­nen, sie so zu verste­hen, wie ich es eben beschrie­ben habe. Als sich laufend ändernde Wahrnehmungen.
Reisen heisst sich bewegen – in jeder Beziehung.




Zur Vorgeschichte

Im Winter 2005 kommen Julia und Thomas zu uns und  überraschen Barblina und mich damit, sie hätten unabhän­gig von einander gedacht, es wäre an der Zeit, min­destens ein Jahr lang eine grosse Reise zu unterneh­men.
Beim wohin und mit wem – seien sie wieder gemeinsam zum Schluss gekommen:
Am schönsten wäre es, mit Euch auf der WAHOO einfach weg zu segeln.
Natürlich hat mich das gereizt. Nochmals eine grosse Reise mit Barb­lina. Wunderbar!
Barblina war nicht begeistert. Sie liebte ihre Lebensquali­tät in der Schweiz, ihre Stelle in Bern, ihr Aufgehoben sein in ihrer Umgebung, ihre FreundInnen in Solothurn.
Trotzdem habe ich zu planen begonnen, immer in der Hoffnung und fast Gewissheit, Barblina wird dann schon mitkommen.
Wir waren uns schnell einig, wir segeln nach Madagaskar. Aber nicht zurück durchs Rote Meer, der dort vorherr­schenden nördlichen Winde wegen, sondern rund um Afrika. Von April 07 bis Oktober 08.

Barblina hatte sich immer mehr zurück gezogen.
Vor der Abreise sind wir überein gekommen, sie werde diese Zeit dazu benützen um zu spüren, ob sie nachher weiter mit mir zusam­men leben wolle. Mit diesem Damo­kles Schwert über mir bin ich los gese­gelt.
Auf mein Drängen hin, hat sie mir dann auf die Seychel­len geschrie­ben, es sei endgültig. Sie habe sich entschlos­sen. Wir waren getrennt.


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