Segeln auf der WAHOO



Auf der WAHOO in Kroatien, August – Oktober 2012

Marlena und Nikola

Mit Magdalena und Thelonious: 28.7. - 13.8.
Ankunft am So., 29. Juli in Split nach 24-stündiger Fahrt mit dem Zug. Aber zu dritt hatten wir es ganz lustig. Meine Freundin Magdalena und ihr Sohn Thelonious sind mit mir gefahren. Die Erwartungen sind unterschiedlich: Thelo- nious freut sich auf das Schiff und möchte angeln, Telonius Magdalena freut sich auf die Erholung und weiß, dass sie sicher seekrank werden wird, ich hoffe, tatsächlich zwei Monate Ruhe vor der Uni zu haben und weiß, dass ich nicht seekrank werde. Alles Erwartungen, die enttäuscht werden können...
Tatsächlich liegen wir aber erst einmal eine Woche lang einen Kilometer östlich von Trogir vor Anker, denn unsere “launische Frau Bosch-Pompa“ hat wieder den Geist aufgegeben (letztes Jahr ist die Original-Einspritzpumpe kaputt gegangen, dieses Jahr nun auch der Ersatz - hier heißt sie "Bosch-pompa“, weil sie von der Firma Bosch ist).

Für mich ist es perfekt, ich schreibe meine Bachelor-Arbeit zu Ende, Thelonious geht zwar fleißig schwimmen, möchte aber lieber unterwegs sein und ist ein wenig schlecht gelaunt, außerdem in der Pubertät, Magdalena genießt die MagdalenaRuhe, für sie ist alles in Ordnung; ach ja, wir haben noch eine Mitseglerin: Ellen. Sie und Magdalena erkunden gemeinsam Trogir. Generell ist die Stimmung aber etwas gespannt: es sollten doch Segelferien sein! Da sich das Schiff je nach Wind und Strömung fleißig dreht, wir also zu jeder Mahlzeit an Deck eine andere Aussicht haben, erfindet Magdalena schnell einen Begriff für diese Art Ferien: “Segeln am Panoramaanker“.
Aber wir sind ja in Kroatien, da ist nichts unmöglich. Freitag heißt es in der Marina noch: mindestens Montag, wenn nicht Dienstag, bis die Einspritzpumpe repariert ist. Und dann noch einbauen... Samstag halten wir plötzlich die reparierte Pumpe in der Hand, am Nachmittag kommt jemand zum Einbauen, Sonntag wird eingekauft, Montag geht es los. Aber der Reihe nach: Der Herr, der am Nachmittag zum Einbauen der Pumpe kommt – er heißt Nedjelnik – ist sehr redselig, beherrscht ein paar Worte Englisch, Deutsch, und hält Magdalena erst einmal für die Schwester ihres Sohnes: “Doch nicht mehr als 20 Jahre alt?...“ und entpuppt sich als Russisch-Sprechender (da hätte ich mir meine kroatischen Bemühungen ja sparen können). 

Sonntag sind wir eine habe Stunde lang um die Kette herumgefahren, um sie zu entwirren. Montag ging es früh los (für unsere Verhältnisse, da Ellen sonst vor 10 nicht aus dem Bett zu kriegen war). Erste Überraschung: Magdalena wird weniger seekrank als ich. Zweite Überraschung: Dienstagabend sind wir wieder in Trogir, diesmal westlich, weil die Damen Olympia schauen wollen. So können wir gleich auch noch Wasser tanken. Trogir hat einen schönen Markt, auf dem wir fast jeden Tag Gemüse und Feigen
Markt in Trogiereinkaufen. Feigen!!! In Deutschland kosten sie ein Vermögen, hier wachsen sie vor jedem Haus, jeder verkauft sie, sie sind das billigste Obst hier. Mit dem Gemüse ist es das gleiche. Es gibt alte und junge Frauen, die das anbieten, was bei ihnen im Garten wächst. Manche haben nur Zwiebeln, Kartoffeln und Tomaten, andere nur Knoblauch und Honig... Es macht Spaß, dort einzukaufen. Später in den anderen Ortschaften habe ich nie mehr einen so schönen Markt gesehen. Gleich nebenan ist der Markt für die Touristen. Dort gibt es dasselbe, aber blankpoliert und doppelt so teuer.

Mittwoch, 8. August Der erste richtige Segeltag. Die Crew hat noch nicht wirklich viel Erfahrung, woher auch. Als sich das Schiff auf die Seite neigt, rutschen die ersten Sachen vom Tisch, die unverriegelten Schranktüren fliegen auf, erst auf der einen Seite, dann auf der anderen. Nichts kaputt. Weil es so gut läuft – 30 kn Wind, 7 kn Geschwindigkeit – macht Nikola den Vorschlag, bis Vis weiter zu segeln. Also noch einmal 30 sm, 4-5 Stunden weiter zur westlichsten Insel Kroatiens. “Radio WAHOO“, befraut von Magdalena und ihrem Liederbuch, begleitet uns. Die erste Stunde saß ich am Steuer, pardon, Ruder, dann überließ ich es Ellen und sie dann Magdalena.
Magdalein geht RuderIch kann nicht sagen, dass ich die Fahrt genossen habe. Dazu war mir zu schlecht, ich saß entweder am optimalen Kotz- Platz – (immer schön mit dem Wind), danke, Mag- dalena, dass du mir so mütterlich den Kopf gehalten hast – oder lag im Cockpit unten auf dem Boden. 

Do., 9. Fahrt nach Sv. Klement westlich von Hvar. Für mich war die Fahrt noch schlimmer als gestern, dabei hatten wir weniger Seegang. Schöner Ankerplatz, ich gehe an Land (oh, endlich wieder Boden unter den Füßen...) und bringe Rosmarin mit zurück, der auch prompt im Essen landet. Mit Magdalena halte ich mich immer recht lange im Wasser auf. Wir schwimmen langsam um das Schiff herum und genießen es, dass wir uns in Ruhe unterhalten können. Übrigens habe ich in Trogir am Strand zwei Frauen gesehen, die das auch so machen. Ihre Stimmen schallten laut zu uns herüber, während sie zwischen der WAHOO und dem Ufer herum schwammen. 

10. August. Kurze Fahrt zur Stadt Hvar auf Hvar zum Einkaufen. Die anderen wollen noch die Stadt anschauen, ich eher nicht, ich brauche Ruhe. Nikola bleibt auch auf dem Schiff, wir wollen später in die Stadt fahren und miteinander einkaufen. Gnuuusch wegen des Abholens der anderen per Schlauchboot. Plötzlich kam so viel Wind auf, dass Nikola und ich das Schiff nicht allein lassen konnten. Nach Sonnenuntergang ging der Wind zurück; Nikola konnte fahren und die anderen abholen. Nasse Überfahrt und schlechte Stimmung am Abend, als nach viel Stress doch wieder alle an Bord waren. 

Sa., 11. Wieder ein toller Segeltag. Viel Wind. Zwischendurch Pubertäts-Fischfang-alles-ist-scheiße-Krise, als Thelonious entdeckt, dass sein Blinker von der Angelschnur verschwunden ist. Zum Trost darf er ans Ruder. Wieder weiter gesegelt, als eigentlich gewollt, diesmal gegen die Empfehlung des Skippers, der sich dachte, es werde wieder so anstrengend wie zwei Tage zuvor, das aber nicht so deutlich sagte. Er hatte ja recht. Mir war ausnahmsweise nicht schlecht, ich hatte vorher eine Tablette genommen und genoss das Schaukeln in vollen Zügen. Marlena geht RuderEgal, sicher angekommen in einer nördlichen Bucht der Insel Sòlta. Wir teilen uns den Platz mit nur einem anderen Boot, keine großen italienischen Motorjachten in Sicht, komisch. Ich sage noch: “Vielleicht wissen die was über den Ankerplatz, was wir nicht wissen...“ Am Abend musizieren Magdalena, Ellen und ich zum ersten Mal miteinander. Schade, dass wir das nicht früher gemacht haben... die MusikantinnenGegen halb elf gehen wir schlafen, der Wind ist inzwischen ziemlich stark. Weil mir das komisch vorkommt, wecke ich Nikola, der gar nicht erfreut ist, aber nach oben geht, um zu schauen. Alles in Ordnung, wenn der Anker hält. Die Nacht ist relativ unruhig, ständig horche ich auf die Geräusche, die das Schiff im Wind macht. Die Wellen schlagen laut gegen die Bordwand.
 
So., 12. Gegen 6:00 merke ich, dass Nikola sich anzieht. Hä? Der Anker hat nicht gehalten, die Felsen sind knapp hinter uns. Nikola stellt sich darauf ein, die Sache zu beobachten. Wie lange? Wäre es nicht gut, jetzt zu frühs- tücken und dann loszufahren, oder jetzt neu zu ankern und später zu frühstücken? Ist doch sinnlos, dass einer in der Kälte herumstehen muss, um die Felsen zu beobachten. Und ruck, da kommen die Felsen noch näher. Was jetzt? Na, alle wecken und losdüsen, es hat doch keiner Lust, jetzt 40 Meter Kette herein zu holen und nach dem Frühstück nochmals. Wenn wir jetzt losfahren sind wir in vier Stunden in Trogir, dann können wir immer noch frühstücken. Also schnell Wasser aufgesetzt, die Crew geweckt, ein paar Kekse verspeist und tschüss. Gute Wahl. Drei Stunden später, noch bevor wir den Landspitz Split gegenüber um- rundet haben, ist der Wind eingeschlafen, die letzte Dreiviertelstunde legen wir unter Motor zurück, decken den Tisch und feiern die erneute Ankunft an unserem Panora- maankerplatz. SCHWIMMEN AM "PANORAMAANKERPLATZ"Jetzt war uns auch klar, warum wir den schönen Ankerplatz letzte Nacht für uns hatten. Seit einer Woche ohne Wetterbericht wussten wir eben nicht, dass sich der Wind verstärken und direkt in die Bucht hinein blasen würde; die anderen Bootsleute jedoch wussten es.
Die Badehose von Thelonious kann ohne Hilfe stehen. Beeindruckend. Mein Handtuch konnte vorgestern erst sitzen (salzwassersteif). 

Mo., 13. August. Letzter Tag mit Magdalena. Heute Abend fahren sie von Split aus wieder nach Hause. Thelonious hat Bauchkrämpfe, liegt den ganzen Tag im Bett. Als wir die beiden zur Fähre bringen, reißt er sich aber zusammen und trägt das Gepäck an Bord. Tschüss, Thelonious, wir werden deine wunderbaren Nachtische nach dem Abend- essen sehr vermissen, und - Magdalena, deine Gute Laune!!! Es war wirklich schön und lustig mit euch!!!

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Mit Ellen: 14.8. - 25.8.2012
Mi., 15. August. Jetzt ist nur noch Ellen da, wie lange sie bleiben wird weiß noch niemand. Für mich wird es anstrengend. Nikola kommt einfach nicht mit ihr zurecht und ist ziemlich verschlossen. Vorher hat es einigermaßen funktioniert, weil wir zu fünft waren, jetzt muss ich zwischen den beiden vermitteln. Aber immerhin bekamen wir heute unsere beste Segellektion: Nikola hatte vorgeschlagen, an einem uns bekannten Ankerplatz zu übernachten, Ellen war dort aber schon zweimal und wollte weiter segeln. Was sollte ich sagen? Mir war es egal, aber Ellen bezahlt ja schließlich... Also weiter segeln. Und prompt sagt Nikola, er sei müde und lege sich jetzt hin. Wenn ihr beiden unbedingt weiter segeln wollt... (es hat dort genügend Platz, sodass auch Anfänger gefahrlos alleine segeln können). 

Ellen sitzt am Steuer, wir wollen nun zur kleinen Insel Drvenik und müssen, da der Wind von dort kommt, aufkreuzen. Nikola ist noch über Stag gegangen (gewendet), jetzt sind wir dran. Und kaum ist er weg, fährt Ellen in den Wind. In die falsche Richtung gesteuert... die Segel flattern, wir stehen fast still, Mist... “Also dreh doch in diese Richtung!!!“ “Nein, in die andere!“ “Da sind wir doch gerade hergekommen, dreh' jetzt das Steuer nach links, damit wir aus dem Wind kommen!!!“ Uff, endlich nehmen wir etwas Fahrt auf. Anderthalb, dann zwei kn. “Vorsicht, nicht wieder in den Wind fahren, sonst bleiben wir wieder stehen!“ Schließlich ist das Schiff wieder unter Kontrolle. Jetzt dreht der Wind dafür von West auf Südwest. Hm... Würde ein erfahrener Segler jetzt immer noch aufkreuzen, bzw. jetzt schon über Stag gehen? Keine Ahnung, also dem Wind hinterher. Dialog zweier Frauen: ... “Fahren wir jetzt nicht dahin, wo wir hergekommen sind?“ “Ist vielleicht eine optische Täuschung.“ “Nein, nein, der Wind hat ja gedreht, und wir fahren ihm hinterher. Auf einer Höhe mit dem Dorf da waren wir vorher auch schon, nur näher an der Küste... aber wir haben ja Zeit... und sobald wir gewendet haben, kommen wir weiter nach oben.“ “Und wann wenden? Jetzt? Nachher?“ “Wir fahren noch ein bisschen auf die Küste zu, noch ein paar Minuten.“ ... “Schau mal, schon wieder 20 kn Wind.“ “Wenn das so weiter geht, schaffen wir es nach Venedig.“ “Oder nach Split zurück...“ ... “Sollen wir was singen?“ “Singen???“ “Ja, das Lied von Stenka Razin, der seine Frau in die Wolga geworfen hat... Из-за острова на стрежень ...“ ... “Was ist eigentlich das dahinten?“ “Keine Ahnung. Eine Boje. Sollen wir sie überfahren?“ “Was macht die da.?“ ... “Marlena, kannst du über Stag gehen? Ich kannʻs nicht...“ “Ja, ja, ich zeig dir, wieʻs geht.“ “Nein, mach du das.“ “Nein, wieso, es ist doch ganz einfach. Fährst du Auto?“ “Ja.“ “Also, einfach kräftig einschlagen, dann dreht sich das Schiff. Und sobald es das macht, wieder in die andere Richtung steuern, damit es sich nicht zu weit dreht.“ “Nein, mach du das. Da, setz dich.“ ... “Das war alles? Das ging ja ganz leicht.“ “Habe ich doch gesagt...“ ... “Wo ist denn die Boje? Ich sehʻ sie gar nicht mehr.“ “Keine Ahnung. Weg. Vielleicht sind wir tatsächlich drüber gefahren.“ ... “Schau mal, da kommt ein Schiff. Wer hat denn jetzt Vorfahrt?“ “Der von rechts... Aber es reicht gut.“ ... “Sollen wir nochmals über Stag gehen?“ “Keine Ahnung. Vielleicht wacht der Käptn auch mal wieder auf. Sonst fahren wir halt weiter. Ankern kann ich nämlich nicht. Ich weiß auch gar nicht, wo.“ ... Natürlich ist Nikola wieder aufgewacht, das Ankern ging problemlos, und als Unterrichtsstunde war dieser Nachmittag ein Erfolg. Danke! Die Boje hat sich übrigens auf der Karte als Markierung für eine Untiefe herausgestellt... 

Do., 16. August. Von Drvenik V. nach Kakan. Wenig Wind, wir nehmen das Vorsegel zu Hilfe, damit der Motor nicht die ganze Zeit laufen muss. Sieht schön aus, das Schiff mit drei roten Segeln. Das finden andere auch. Man winkt uns zu, alle Vorbeifahrenden schauen. mit VolltuchEiner verlässt seinen Kurs und kommt hinter uns her. An Deck steht ein Mann mit einer Kamera. Er filmt uns, fährt an uns vorbei, hebt die Hand: tolles Schiff! So etwas erleben wir immer wieder. Mit den Jahren ist die WAHOO wohl schon in so manchem Urlaubs-Fotoalbum oder Filmchen gelandet. Naja, ist auch kein Wunder. Hier sieht man ja nur noch Charter-Jachten, die unter Motor durch die Gegend düsen, oder Motorjachten, von denen die grössten italienische sind. Wir laufen also dann doch recht flott mit unserem Vorsegel, 4-5 kn, aus den Inseln sind wir auch heraus, südlich gibt es nur Meer, ja, und gerade übernehme ich das Ruder, da ruft Nikola: “Lueg...döt! Delfine!“ Natürlich bin ich sofort vom Dienst befreit, er hat sie ja schon öfter gesehen. Solch eine Eleganz. Groß sind sie. Sie tauchen ein paar Mal um ums herum, wir sind ihnen aber nicht schnell genug, sie drehen wieder ab. 

Fr., 17. August. Gegen 7:00 haben wir perfekten Nordostwind, das Frühstück verzögert sich aber, und gegen 10:00 ist es windstill. Tja, und jetzt? Trotzdem vorbereiten der Segel, vielleicht... Motor an?... War es Intuition? Nikola öffnet die Klappe zum Motorraum. Alles schwimmt. Was ist es? Meerwasser nicht, so hohen Seegang hatten wir nicht. Kühlwasser? Wäre schlimm, so viel. Riecht nach...Diesel! Die Pumpe! Da tropft es! “Mach mal den Motor an, dann sehen wir es vielleicht genauer.“ Der Diesel schießt aus einem Loch. Was hat unser Mechaniker da gemacht? Wie lange läuft das schon so? Aber erst mal den Diesel aus dem Motorraum in einen lee- ren Reservekanister pumpen. 25 Liter! Und jetzt? Reparieren! Da ist eine hohle Schraube, das Anschlussstück des Schlauches, durch den der Diesel in die Pumpe transportiert wird. Auf der einen Seite der Schraube fließt der Diesel in die Pumpe, auf der anderen Seite – fehlt der Verschluss. "Wo ist er?" "Vielleicht irgendwo hier, aber den finden wir nie. Eine kurze Schraube muss es sein, vielleicht haben wir etwas passendes." "Aber wo?.." Ich klettere nun auch in den Motorraum. Ich kann ja mal nachschauen, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass ich sie finde... eine rostige Unterlagscheibe... eine chromstählige Unterlag- scheibe.... eine Unterlagscheibe aus Kupfer, oder ist es eine Dichtung?.... "da! Gefunden". Also, schnell montiert, Motor an – geht nicht. Was haben wir denn jetzt falsch gemacht? Wir probieren, mit der Handpumpe Diesel in die Einspritzventile zu bringen – nichts. Was haben wir denn verändert? Nur etwas Dichtmasse benutzt, und vorher lief der Motor ja. Aber das kann doch nicht sein. Verstopft? Nein. Aber es ist das einzige Teil, das wir angerührt haben... also Schraube wieder ausbauen, Dichtmasse entfernen, einbauen, nochmals pumpen, wieder nichts, vielleicht erzeugt der Motor mehr Druck, wenn er läuft, wenn er angeht, falls... Uä-uä-uä-uäbrrrrrrrr. Tatsächlich – sind wir nicht toll? Was war das Problem? Keine Ahnung!
Inzwischen hat es kräftigen Wind gegeben, wir setzen die Segel, sie blähen sich, schnell die Leine von der Boje losmachen, und schon brausen wir mit voller Fahrt davon, Richtung Murter. Tja, der Motor. Mit schönem Wind nähern wir uns Murter, beschließen dann, ein Segel herunter- zunehmen, um mit etwas weniger Geschwindigkeit uns der Stadt Murter auf der Insel Murter zu nähern und vor der Stadt zu ankern. “Also Marlena, in den Wind fahren, damit wir das Großsegel herunternehmen können, Achtung, da kommt noch ein Katamaran unter Segel, dem müssen wir ausweichen, jetzt in den Wind und wenn nötig Motor an“. Wir werden langsamer, ich stelle noch fest, dass die Wassertiefe nur noch bei 6 m unter dem Kiel liegt, aha, also nicht zu dicht ans Land kommen, Motor an, damit wir nicht darauf zu treiben, weil wir zu langsam sind. vor AnkerDer Motor springt an, ich gebe Gas, er rast auf 3500 Umdrehungen, sonst zeigt sich keine Wirkung, was ist jetzt? Nochmals probieren, Leerlauf, Gas, wieder 3500. Scheiße. “Nikola! Was machen?“ “Nichts. Treiben lassen, an den Wind steuern, damit wir mit dem Großsegel wieder Fahrt aufnehmen und nicht abgetrieben werden. Da vorne ankern wir.“ “Wo - da?“ “Ja. Du musst aufschießen, wenn ich es dir sage.“ “Aufschießen? Keine Ahnung.“ “Ok, mache ich, dann musst du den Anker fallen lassen, wenn ich rufe.“
“Aufschießen“. Bedeutet, Nikola fährt einen scharfen Bogen, so dass die WAHOO in den Wind fährt und dadurch bremst. Der Anker bringt sie dann ganz zum Stehen. Also, Kette raus, Mist sie klemmt, das kann ja wohl nicht wahr sein, schnell Luke auf, alles verknotet, und jetzt? Nikola rein in den Kettenraum, da schaukelt das Schiff, die Klappe fällt zu. Die Finger! Herrgott, jetzt hat er aber Glück gehabt. Dafür läuft die Kette wieder. So, jetzt schnell das zweite Segel herunter, bevor das Schiff wieder Fahrt aufnimmt. Mit einem Knall fällt der Baum nach unten, was ist denn jetzt schon wieder? Nichts, nur die Eile, es war ja alles etwas anders geplant. Was ist mit dem Motor? Heute früh lief er doch. Entweder Schraube verloren (die Schiffsschraube) oder irgendwas mit der Kupplung. Es ist die Kupplung, und das “eingespielte Werkstatt-Team“ schafft es, sie am nächsten Tag zu reparieren. 

So., 19. August. Fahrt nach Žut, wo wir zwischen Žut und einer weiteren kleinen Insel ankern. Wunderschön!!! und unten die WAHOO
Neben uns liegt ein Fischer. “Wie wärʻs mit einem Fisch?“ “Fisch?“ “Ja, viel- leicht hat er wel- chen.“ “Aber wie sollen wir ihn fra- gen? Auf Kroa- tisch...?“ “Traust du dich das?“
Das Wasser ist einladend frisch, ich würde gerne rüber schwimmen. “Nikola, kommst du mit?“ Zuerst hat er uns nicht beachtet, aber als wir definitiv auf sein Schiff zu schwammen, hat er doch neugierig den Kopf über die Reling gestreckt. “Imate li vi ribe?“ Haben Sie Fisch? Klar hat er welchen, aber nur first-class, teuer. Wie viel? 250 Kuna (35 €) das Kilo. Kurzes Überlegen. Ok. Er hängt eine Leiter raus, wir klettern an Bord. Gottseidank sitzt der Badeanzug. Gott, sowas hasse ich, so halb nackt vor einem Fremden, mit komischem Zopf, nass... Er zeigt uns ein paar Drachenköpfe. Ja, den da. 1,25 Kilo. Nikola geht Geld holen, dann werden wir noch zu einem Glas selbst gemachten Weines eingeladen, Drachenkopf auf Gemüsebeetund der Fischer erzählt uns, dass er im Winter auf einem Öltanker fährt, um Geld zu verdienen. Es gibt ja kaum mehr Fische im Mittelmeer. Well, das Abenteuer hat sich gelohnt, der Drachenkopf war phan- tastisch. Ausnehmen musste ihn Nikola aber doch selbst, trotz meiner großspurigen Versprechungen. 

Zum ersten Mal sehe ich Leuchtplankton. Wenn ich in der Dunkelheit ins Wasser p..., leuchtet es bei jedem Spritzer auf. Wenn man im Dunkeln badet, leuchtet es auch, die kleinen Teilchen werden durch die Bewegung aktiviert.

Mi., 22. 9. Weiterfahrt nach Norden, Richtung Kornati- Nationalpark, um die Nordspitze herum und nach Süden, zwischen den Inselchen wieder zurück. Gestern und vorgestern sind wir auf die Inseln gestiegen, zwischen denen wir geankert haben. Die Aussicht war ungeheuer schön. Alles sieht so unwirklich aus. Das glatte Wasser, ein paar Inselchen darauf verstreut, und im Hintergrund die kahlen Hügel des Nationalparks. Eine Wüstenlandschaft. Anscheinend wuchsen früher Bäume dort, aber die Römer haben alles abgeholzt, um Schiffe zu bauen... Erosion... jetzt liegen sie eben so da, die Inseln. Beeindruckend. KoronatenLeider war mit dem Wind nicht viel los, er kam von vorne, und meistens schwach... dann musste der Motor mithelfen, aber wir nutzten jede Sekunde aus, in der der Wind ein bisschen stärker wurde. Zum Trost hatten wir dann fast ein Anlegedesaster, weil Ellen und ich nicht wussten, was es heißt, das Schiff mit Muringleine fest zu machen. In diesem Fall war es eben so, dass wir rückwärts zwischen zwei Schiffe einparken mussten, der Mensch an Land mir eine Leine herüber reichte, mit der ich nach vorne rennen sollte, um damit das Schiff am Bug fest zu machen – die Leine ist an einer Kette oder einem Betonklotz befestigt, der vor dem Schiff im Wasser liegt. Die Leine, vollgesogen mit Wasser, war aber so schwer, dass ich unmöglich “rennen“ konnte, ich wurde fast über Bord gezogen, weil ich ja 24 Tonnen Schiff halten musste, und gleichzeitig rammten wir fast die Motorjacht rechts von uns – oh, oh, so ein armes Plastikschiff –, weil plötzlich eine Welle herein kam und wir wahnsinnig anfingen zu schaukeln. Wir schaffen es! Am Heck des Schiffes zwei Taue an Land, vorne “meine“ Leine von Nikola straff gezogen - und sie bewegte sich kaum mehr. Nach dem Stress erst mal ein kühles Bad - und dann Abendessen im Fischerrestaurant. Beim nächsten Mal wird es besser klappen.

Do., 23. Ankunft wieder in Murter. In der Nacht beschließt Nikola, dass Ellen morgen gehen muss. Ich finde es etwas abrupt. Aber sie äußert sich ja auch nie, wenn man sie fragt, wie lange sie noch bleiben will. Sie bleibt einfach. Immerhin handle ich einen Tag länger aus, damit sie in Ruhe packen und evtl. nach einem Hotel schauen kann.

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Zu zweit: 25.8. - 16.9. - Sa., 25. August.
Ellen ist weg. Himmlische Stimmung an Bord. Wir packen ein und fahren an einen anderen Ankerplatz. Schöne Bucht, am Abend kommt eine Sippe schwarzweißer Ziegen ans Wasser. Ziegenbucht
So., 26. Es war ein kurzes Vergnügen bei der Ziegeninsel. Wir sitzen vor Murter mit dem spektakulärsten Sonnenuntergang meine Lebens. Wieso? Es kam Wind auf. Viel Wind! Wir mussten schlagartig die Leine zum Land lösen, damit wir nicht auf den Felsen hinter uns landeten. Der Anker hatte zum zweiten Mal nachgegeben. Später entdeckten wir, dass es nur ganz wenig Sand auf dem Grund gab, da konnte er sich nicht eingraben. Wir fuhren also einige Meter vorwärts und ankerten neu. Der Wind wurde im laufe des Vormittags immer stärker, ich Dumme hatte zum Frühstück diesen Schafskäse gegessen, den ich inzwischen als Verursacher meiner Seekrankheit identifiziert habe, und als das Schiff zu schaukeln begann, wurde mir schlecht. “Seekrank am Panoramaanker“ hätte Magdalena das wohl genannt. Das ist ja der Witz! Irgendwann kam so ein Charterboot und kurvte in rasendem Tempo in der Bucht herum. Die spinnen, die Bayern. Sie wollten auch ankern, denn der Wetterbericht hatte bis zu 65 kn Wind aus Nordost gemeldet, das ist harter Sturm. Er kam dann aber aus Süden und sie waren zu nah an den Felsen, zogen also wieder von dannen, in rasendem Tempo, kehrten wieder um, um ihre Leine noch aus dem Wasser zu fischen... Und wir? Bleiben?.. in dieser ungeschützten Bucht, bei diesem Wind, Nachtwache halten und trotzdem riskieren, dass wir irgendwann auf den Felsen sitzen? Nein. Zurück nach Murter, dort ist der Ankergrund gut und viel Platz gibt es auch. 

Mo., 27. August Der Morgen! So klare, vom Wind rein gefegte Luft. Es windet noch, 25-30 Knoten, aber das Wasser ist wunderbar, im Vergleich zur Luft ist es geradezu warm. Das Schwimmen wird zu einem Tanz auf den hohen Wellen. Ach, ist es schön, sich einfach so treiben zu lassen!
Fr., 31. Die letzte Hausarbeit ist jetzt fertig, wir haben die letzten Tage bei der Ziegeninsel verbracht, jetzt muss ich ins Internet und die Arbeit abschicken. Geilgeilgeil!!! Theoretisch habe ich jetzt Ferien. Bald kommen aber die Übersetzungstexte für das nächste Semester. Einkauf bei unserer Gemüsefrau. Sie hat immer wieder nach uns Ausschau gehalten, seit dem Sturm am Sonntag, sich Sorgen gemacht. Wir haben ihr nämlich bei einem Gespräch gezeigt, welches unser Schiff ist. Sie kann uns von ihrer Ladentür aus sehen und wartet immer darauf, dass wir kommen. MurterSie erzählt, dass es in den letzten Wochen immer wieder gebrannt hat – wir haben das auch immer wieder gesehen und vor allem gerochen, den ganzen August über hat es nicht geregnet – und dass auch hundert ihrer Olivenbäume verbrannt sind. Oft passiert es, weil irgendjemand eine glimmende Zigarette wegwirft... Auf die Frage, ob sie ein gutes Restaurant wisse, geht sie mit uns nach nebenan, meldet uns an und sagt, man solle uns gut behandeln, wir seien ihre besten Freunde... (immerhin bekamen wir auf Kosten des Hauses zum Dessert ein Stück des himmlischsten Schokoladenkuchens). Später hat sie uns erzählt, dass die Kellnerin zu ihr gekommen sei, da wir uns ein wenig verspätet hatten, das Essen sei fertig (das hatten wir so aber nicht ausgemacht), was man tun könne. Und unsere Gemüsefrau bot an, das Essen zu bezahlen und für ihren Mann mitzunehmen... 

Mo. 2. September. Warten auf den Wind. Die Touristensaison ist vorbei. Die Straßen von Murter sind fast leer, die Cafés verwaist, die Souvenirläden geschlossen. Klar, die Italiener sind am Samstag fast ausnahmslos abgereist – der August ist vorbei –, jetzt gibt es noch einige Deutsche, aber die große Masse ist weg. Am Abend kommen Deutsche in ihrem Schlauchboot vorbei, Vater und Tochter, die uns fragen, ob der Ankergrund hier gut sei. Beeindruckt bewundern sie unser Schiff, kommen sogar an Bord, um es anzuschauen. Sie habe zu viert ein 7-m-Boot. Wir laden sie auf ein Glas Weißwein ein, der Vater sagt, klar, er gehe jetzt etwas essen und nachher bringe er seine Familie mit. Er und Tochter verabschieden sich – auf Nim- merwiedersehen.
Eigentlich hat jede Küstenstadt einen Fischmarkt, eine Ribarnica. In der Regel ist er in einem Steinhaus oder einem schattigen Innenhof untergebracht, damit die Fische nicht verderben. Da liegen dann körbeweise Tintenfische, Garnelen, Sardinen, gelegentlich ein Plattfisch oder Drachenkopf, winzige Fischlein, die man Tellerweise isst, schön frittiert oder paniert. Sie schmecken ein bisschen bitter, man lässt ja alles dran: Augen, Rückgrat etc. Die teuren Fische sind die, die eher tief unten am Grund leben und nicht so leicht gefangen werden. In Trogir haben wir einmal einen Petersfisch bekommen. Aber ein bisschen grausig sehen sie schon aus, diese Grundfische. Gar nicht schillernd und schlank, sondern eher hässlich und unheimlich. Murter hat auch so eine Ribarnica, ein kleines Steinhäuschen. Gibt es heute Abend Fisch? Neugierig schauen wir hinein – eine einzige Frau steht da, mit drei Kisten. Fischmarkt? Na, was hat sie denn? Eine Kiste Kalamares, eine mit Garnelen und in der dritten einen großen Plattfisch. Tja, Kalamares und Garnelen kommen nicht in Frage, schon nach zwei von Magdalena zubereiteten Saugnäpfen war ich halb tot – Allergie. Also der Plattfisch. Er kostet nur noch halb so viel wie in der Hauptsaison, aber ist das nicht zu viel? 1,3 kg minus Innereien, Kopf und Gräten; sie hat aber nichts anderes, also nehmen wir ihn. Es ist auch ein schönes Exemplar. Ganz deutlich sieht man, dass er zwei Augen auf der Oberseite hat. Plattfische kommen mit einem Auge auf jeder Seite auf die Welt, im Laufe ihres Plattseins wandert das nicht gebrauchte im Schlamm liegende Auge durch den Kopf auf die Sichtseite. Plattfische liegen also fast ihr ganzes Leben auf der Seite. Oben haben sie ihre normale Farbe, unten sind sie hell. 

Do., 6. September. Jetzt haben wir keine Lust mehr. Der Wind dreht nicht, wir müssen jetzt aber doch so langsam nach Süden, sonst kommen wir nicht mehr rechtzeitig nach Dubrovnik, um die nächsten Mitsegler abzuholen. Und nach Makarska will ich ja auch noch – der große Streitpunkt, der für unsere verspätete Ankunft im Restaurant verantwortlich war. 
Also Anker auf, es ist 7:00, und elf Stunden unter Motor im Regen, mal mit Sturm, dann wieder völlig ohne Wind die 50 sm nach Trogir an unseren Stammplatz. Split gegenüber sehen wir wieder Delfine, sie beachten uns aber gar nicht. 


                                              Was ist schöner? Das schwimmbadblaue ruhige Meer, das zum Baden einlädt? Oder das menschenfressergrünschwarze, wenn es stürmt?

Hin und wieder kommen wir an Inselchen vorbei. Manchmal sehen sie aus wie aufgesetzt, heute aber fügen sie sich wunderbar in die Umgebung ein: gelegentlich von einem Sonnen- strahl beleuchtete grüngraue Inseln im grüngrauen Meer. 

Fr., 7. Kurzfristig habe ich mich entschieden, jetzt nach Makarska zu fahren (meine Dozentin heißt Renata Makarska; sie sagte, ich müsse unbedingt nach Makarska fahren und dort in der Pension Renata übernachten, wenn ich schon in Kroatien sei). Nikola bleibt da, er hat auch nicht so richtig Lust, und so habe ich einen Tag für mich. Zwei Stunden sitze ich im Bus, dann endlich, um 11:17 bin ich da. Leider habe ich die Hausnummer des Appartements “Renata“ nicht, die Straße weiß ich aber. Also begebe ich mich in diese Straße und laufe sie entlang, allerdings liegt eine namenlose Pension neben der anderen, überall ist angeschrieben “sobe; rooms“, die meisten sind orange angemalt, “Renata“ scheint auch unbeschildert zu sein und bleibt unauffindbar. Pech.
Außerdem ist Makarska eine furchtbare Touristadt. Durch das Leben auf dem Schiff habe ich fast vergessen, dass der Geruch von zu heißem Asphalt und Abgasen überhaupt existiert, dass es etwas anderes gibt als beschauliches Dahinleben. Nun ja, keine “Renata“, da gebe ich die Wanderung auf und wende mich Richtung Hafen. Die Front dem Hafen entlang ist von Restaurants besetzt. Eins neben dem anderen, die Sonnenschirme kämpfen um den besten Platz und die Kunden. Ich setze mich nicht hin und esse auch keinen Rostbraten nach Makarska-Art. Es gibt eine Halbinsel, Sv. Petar, sie ist bewaldet, und offenbar von einer Sippe schwarzer Katzen bewohnt. Auf dem Waldboden, vom durch die Bäume fallenden Sonnenlicht gesprenkelt, linsen sie überall hinter den trockenen Gräsern hervor; es riecht nach heruntergefallenen Nadeln, die Aussicht auf das Meer ist wunderbar.
Zeichnung FranziskanerklosterEin Aquarell misslingt, dafür lä̈sst sich das Franziskanerkloster in der Stadt zeichnen. Am Strand sind einige Restaurants, eines bietet dreierlei Bestellungsarten an: good, fast und cheap. Und ein Schild dazu: Fast & Cheap is not Good; Good & Fast is not Cheap; Cheap & Good is not Fast. Ja, nun, die Kellnerin fragt mich aber nicht, auf welche Art ich bestellen will, die schnell gebrachte und günstige Fischsuppe ist zwar nicht schlecht, aber auch nur so günstig, weil sie aus Brühe mit zwei Fischstückchen besteht...
Ja, hübsche Eckchen hat es schon, das Städtchen.  Außerdem ist auch hier merklich die Touristensaison vorüber. Landschaftlich ist es toll gelegen, direkt hinter der Stadt ragt die an der kroatischen Küste allgegenwärtige Bergkette auf, hier ist sie aber besonders nah, und dazu der Kontrast des heute spiegelglatten Meeres. Aber ankern kann man wirklich schlecht. Der Hafen ist viel zu eng, da kommt die große Fähre, in der Bucht am Strand geht's auch nicht gut. War schon besser, dass ich mit dem Bus gefahren bin. Die ganze Küste ist eigentlich sehr gut durch einen Bus vernetzt. Man kommt überall hin, es kostet auch nicht allzuviel.
Rückfahrt gegen 19:00, um neun stehe ich am dunklen Strand, gebe die vereinbarten Lichtzeichen und werde von Nikola mit dem Bötchen abgeholt – das ist der größte Nachteil auf einem Schiff: du kannst nicht weg. Nicht ohne Boot, ohne sich zu verabreden und abholen zu lassen. 

Sa., 8. September Anker auf und mit dem Motor bis an den Spitz gegenü̈ber Split.
So. Heute müssen wir das mit den Segeln zum ersten Mal zu zweit schaffen, Sprung ins Kühleund ich merke schon, wie viel Kraft von Ellen beim Hochziehen doch beigesteuert wurde. Anstrengend. Dafür ist der Wind erstmal weg und wir haben Zeit, uns auszuruhen. Während wir im Wasser dümpeln und uns drehen, gehen wir schwimmen – auf 50 m Wassertiefe. Dann kommt doch Wind, nicht zu viel, so dass wir auch das Vorsegel setzen, was zur Folge hat, dass ein angedüst kommendes Schlauchboot den Kurs ändert, halb um uns herumfährt, neben uns langsamer wird... offensichtlich Bewunderer. 

So., 9. Nur schwacher Gegenwind, wenn wir heute noch irgendwo ankommen wollen, müssen wir wohl motoren. In der Ferne im Dunst noch einmal Makarska, leider ist nicht viel zu sehen, dann fahren wir in unsere nächste Bucht. Schönner Ankerplatz auf Hvar. Neben uns ragen steil Felsen auf, das Wasser ist extrem klar, sogar in zehn Metern Tiefe kann man ganz genau erkennen, dass sich der Anker nicht in den Boden eingegraben hat, sondern ganz ordentlich neben der zusammen gefalteten Kette auf dem Grund liegt. Naja, wenn kein Wind kommt, ist das ok. 

Mo., 10. September Der Motor spinnt schon wieder, diesmal will er nicht vorglühen, und das Problem mit dem Abstellen kurz nach dem Anspringen, deshalb Entlüften, etc., haben wir auch nicht gelöst. Also bleiben wir noch einen Tag um das Problem zu beheben. Ich nutze die Zeit, Übersetzungen für das nächste Semester vorzubereiten. Alles muss immer in den Ferien passieren. 

Di., 11. Mit Motor zur Halbinsel Pelješac, die Ortschaft heißt Lovište, leider haben die gestrigen Bemühungen im Motorraum keine wirkliche Verbesserung gebracht. Außerdem ist das Wetter sehr unsicher, der Wind spielt verrückt. Wir werden bis Montag hier bleiben und unsere Mitsegler bitten, mit dem Bus zu uns zu fahren, denn ob wir den Weg nach Dubrovnik bei diesem Wetter schaffen würden, ist unklar, und motoren steht außer Frage. Zwei Tage Wind, Regen und Kälte. Warum macht man so etwas im 21. Jahrhundert überhaupt? Alle anderen Segelboote, die wir gesehen haben, machen alles maschinell: den Anker heben, z.B., oder die Segel einrollen. Wir zerren den Anker samt Kette mit der Hand-Ankerwinsch herein (immerhin 50 kg Anker plus 4,25 kg Kette pro Meter; macht bei 40 m Kette schon einiges aus), und schuften auch beim Hochziehen der Segel... Warum ich das schreibe? Nun, weil der Anker bei all dem Wind nicht ganz gehalten hat, und wir ein wenig gerutscht sind. Jetzt ist die Frage: noch 10 m Kette zugeben, damit das Gewicht im Wasser mehr wird, dann wären wir aber näher an Land wenn der Wind dreht, das wollen wir ja eigentlich nicht. Neu ankern!?! Im Leben nicht. Nikola hat sich am Rücken verletzt und könnte nicht mithelfen. Und ich habe keine Lust, 40 m Kette allein einzuholen, nur um dann 50 m weiter 70 m hinauszulassen, weil dort das Wasser tiefer ist. Also bleiben wir so, beobachten Punkte an Land und Lichter in der Dunkelheit, die uns sagen, ob wir rutschen, stehen dazu nachts drei- oder viermal auf und staunen am nächsten Morgen ob der neuen Perspektive... Eine weitere unerfreuliche Erscheinung sind die Motorjachten. Nicht nur, dass sie gelegentlich aussehen wie Panzer, sich die besten Ankerplätze schnappen und oft sehr stören. Auf dem offenen Meer fahren sie mit so hoher Geschwindigkeit, dass die entstehenden Wellen die Segelboote so zum Schaukeln bringen, dass den Insassen nichts anderes übrig bleibt, als sich schnell irgendwo festzuklemmen und das Frühstücksgeschirr vom Herunterfallen zu bewahren. Nach einer halben Minute ist der Spuk dann wieder vorbei. 

Sa., 15. Wieder schönes Wetter. Kleiner Spaziergang an Land, alles duftet nach dem Regen viel intensiver. Die schöne Aussicht über das wieder schwimmbadblaue Meer... Unnatürlich win- dig ist es aber immer noch. Das Tief, das wir abbekommen haben, scheint sich noch nicht ganz verzogen zu haben. 

So., 16. September. Hab' davon geträumt, dass die Dozenten beschlossen haben, ich könne doch nicht weiter studieren, weil ich das Grundstudium nicht bestanden habe. Die Noten seien schon ganz ok, aber meine Schrift, so schief und krumm... Habe zum ersten Mal gemalt. Morgen kommen Daniel und Ella.
Übrigens sind wir vielleicht doch nicht gerutscht, und wenn, dann nur ein bisschen. Wir hatten wegen des Sturms sehr viel Ankerkette draußen, und somit war unser Radius ziemlich groß. Alles eine optische Tä̈uschung!

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Daniel und Ella an Bord: 17.9. - 20.9.
Mo., 17. Habe geträ̈umt, dass entweder Pani Renata oder Pani Justyna, das sind meine beiden Dozentinnen, mich vergiften will. Justyna war es, sie ist nur nicht dazu gekommen, weil ich aufgewacht bin.
Daniel und Ella sind angekommen. Sie ist Russin und eine Plaudertasche, eher sanguinisch, er auch, aber belehrend, besserwisserisch und immer bemüht, seiner Frau beim Leben zu helfen. Immerhin ist mein Russisch nur wenig eingerostet, es kommt ganz gut wieder. 

Di., 18. Weiterfahrt nach Korčula, Luka Banja, nur mit dem Vorsegel. Ein bisschen Wind hatte es immerhin. Dummerweise haben wir beim Einholen des Segels nicht auf das Seil (Schot) geachtet. Plötzlich stoppt der Motor, das Getriebe ist blockiert. Nikola nimmt das Messer, taucht. Das Seil ist in die Schraube geraten, hat sich hart um die Welle gewickelt. Noch dreißig Meter bis zu den Felsen, Segel schon unten, er muss die Schraube freischneiden... Also Anker raus, vielleicht treiben wir dann nicht so schnell auf die Felsen zu. Zwei Minuten später ruft Nikola: Anker auf, die Schraube ist frei. Also 30 m Kette wieder hereingeholt und in die Bucht gefahren. Glück gehabt. Schade um das Seil. Es war so schön lang und ist ungefähr in der Mitte gerissen...
Mit Ella und Daniel bin ich zur Stadt gelaufen, um einzukaufen. Kurz vor der Stadt steht ein Dominikanerklos-Dominikanerkloster
ter, an dem ich nicht vorbeigehen kann, ohne wenigstens zu schauen, ob die Kirche offen ist. Sie ist. Die erste offene Kirche seit sieben Wochen!!! Daniel und Ella waren schon weiter gegangen (nicht ohne eine Ermahnung von Daniel, “quick“ zu sein). Als ich ziemlich hastig wieder aus der Kirche trat, um den beiden nachzulaufen, sah ich einige Nonnen, die hinein gingen. Schnell den Entschluss gefasst: mal sehen, was die machen, vielleicht ein Gottesdienst? Dann den beiden hinterher gedüst, um Bescheid zu sagen, dass ich nicht mitkomme. Ein schöner Gottesdienst. Ohne männ- lichen Priester geht es natürlich nicht, aber sonst wird er von den Nonnen gestaltet. Wunderschöner Gesang. Aber lang ging er: anderthalb Stunden. Die Nonnen sind weiß gekleidet mit schwarzem Schleier, der komischerweise immer unterschiedlich lang den Rücken hinunter hängt. Sie tragen ausnahmslos schwarze Schuhe, aber doch dem eigenen Geschmack angepasst. Mal Gesundheitsschuhe mit runden Sohlen, mal Sandalen, Halbschuhe, und auch das ein oder andere hochhackige Schuhpaar ist zu sehen. Das goldene Türchen hinter dem Altar, wohin die Hostie nach Gebrauch ver- schwindet, quietscht laut in der Stille zwischen den Gesängen, als es der Priester öffnet. Zwei junge Nonne tuscheln immer wieder miteinander. Nachdem der Weihrauch verwedelt ist, bringt die alte Nonne das Gefäß grinsend hinaus. Leider versteht niemand, dass ich nicht in die Stadt gegangen bin, sondern in der Kirche war. Schade. Als ich aus der Kirche kam, ankerte unten ein Segelschiff. Daniel sagte, es heiße “Sea Cloud“, sei das größte Segelschiff der Welt, fünf Masten, erst ungefähr 15 Jahre alt. Ein Touristenboot. 

Mi., 19. September. Weiterfahrt unter Motor zur Insel Mljet. Verstehe ich nicht, es war doch ausgemacht, dass wir bleiben, wenn es keinen Wind zum Segeln hat. Blöder Tag. Die Ankergebühr beträgt 90 Kuna pro Person und gilt gleichzeitig als Eintritt in den Nationalpark. Das heißt, wenn wir hier lange genug bleiben, was ich bezweifle, könnten wir auch mal spazieren gehen oder eine Runde Boot auf dem See fahren. Eine neue Fischart entdeckt: Degenfische. süße, süße Degenfische, mit ihren langen Schnauzen schwimmen sie neugierig um das Schiff herum.

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Wieder allein: 20. 9. - 12.10.
Do., 20. September. Daniel und Ella sind überraschend abgereist. Erstens hat es ihr wohl nicht so gut gefallen, zu wenig Luxus (sie ist schon ein Luxusdämchen, aber das hat Daniel ja gewusst, er war schließlich schon mehrfach auf der WAHOO), wahrscheinlich ist es ihr auch zu unbequem gewesen, und letzte Nacht war es recht laut, weil es gewitterte und kurz etwas Wind kam. Zweitens kam ich mit Daniel nicht allzu gut zurecht, vielleicht hat das auch eine Rolle gespielt. Egal, jetzt sind wir allein, himmlisch, sich wieder frei bewegen zu können. Geblieben sind nur übermäßig eingekaufte Esswaren: Äpfel, vierzehn Eier, Schinken, Mortadella, Hühnchenfilet, Joghurt, Schlagsahne, Kekse..... alles Dinge, die wir entweder gar nicht oder in Maßen essen... Leider bin ich aber nicht mehr dazu gekommen, mit Ella meine Übersetzung aus dem Russischen durchzugehen. Schade. 
So., 23. Spaziergang über die Insel zum See, der aber eigentlich keiner ist, weil über ein kleines Ärmchen mit dem Meer verbunden. Der Wald auf Mljet ist schon toll, dieses helle saftige Grün in allen Tönen, auch jetzt noch, im Herbst. Wir steigen auf den höchsten Gipfel.                                                                                                  Tolle Aussicht auf den See. der See Mit dem Boot zum Inselchen Sv. Marija gefahren. Dort gibt es ein ehemaliges Kloster, die Kirche scheint aber noch benützt zu werden, es findet gerade eine Taufe statt. Das letzte Lied, das gesungen wird, hat eine bekannte Melodie. Ich singe den Text, den ich dazu kenne: “John Brown ́s body lies amouldring in the grave... glory, glory haleluja...“ Hmja. 

Mo., 24. Bora, Bora. Wir können wieder nicht weg. Bora ist ein starker Nordostwind, der in Böen kommt und Segeln unmöglich macht. Die Bora dürfte auch bis jetzt immer der Grund gewesen sein, dass der Anker nicht hielt. Eigentlich, heißt es,  es gebe je nach Gegend an der kroatischen Küste zwei, drei oder auch fünf Tage Bora pro Monat. Wir scheinen an jedem Ort die Maximalanzahl Tage mitbekommen zu haben: wahrscheinlich mit Magdalena in der Bucht von Šoltan, dann vier Tage in Murter und bei der Ziegeninsel, zwei Tage in Pelješac, zwei Tage in Mljet; so viel Bora gibt es doch gar nicht! Vor allem bringt sie oft schlechtes Wetter mit, das dann auch ein paar Tage dauert. Gott sei Dank nie besonders lang, maximal drei Tage, nur in Murter hatten wir fünf Tage Regen.
Damit uns nicht langweilig wird, kontrolliert uns die Polizei. Ich habe mich nicht registriert, als ich eingereist bin. Böse, böse. Deshalb gibt es für mich 500 Kuna Strafe, und noch einmal 500, weil sie mich erwischt haben... hihi... Wenn man mit dem Flugzeug kommt, wird das automatisch gemacht, man bekommt einen Zettel, etc. Im Zug sagen sie kein Sterbenswörtchen davon, dass man sich im nächsten Touristeninfopoint diesen Zettel holen und damit zur Polizei gehen muss. Acht Tage habe ich Zeit, meine Schuld zu begleichen, bar im nächsten Polizeirevier. Wahrscheinlich steckt das Geld dann noch jemand in die eigene Tasche. Ich werde natürlich nicht bezahlen, allerdings darf ich dann wohl vorerst nicht mehr nach Kroatien... EU, EU, EU? Vielleicht dann wieder. Aber die Auflagen. Irgendwie glaubt niemand daran, dass Kroatien es bis nächstes Jahr schafft. Was das Wollen betrifft, sind die Einheimischen gemischter Meinung.

Mi., 26. September. Anker auf. 65 m Kette hereinholen, nebenher die Segel auspacken. Wir werden von nebenan beobachtet. Ein tolles Gefühl, nach einer Woche wieder von einem Ankerplatz wegzufahren. Man winkt uns zu. Gegenwind und Gegenstrom. Viel sogar. Immerhin schaffen wir in 7 Stunden 9 sm in Richtung unseres Tagesziels, das eigentlich die Insel Šipan gewesen wäre. Stattdessen bleiben wir Mljet treu und landen in der Bucht Okuklje. Dort hat ein Restaurant eines schweizerisch-kroatischen Ehepaars Bojen ausgelegt und Mooringplätze vor dem Restaurant. OkukljeWir essen dort denn auch wunderbaren Fisch. Für morgen ist Jugo vorhergesagt, sü̈dlicher Wind. Wird dann wohl wieder nichts mit Cavtat.

Do., 27. So ist es. Bis 38 kn Wind, hohe Wellen, das schaffen wir nie, also doch ab nach Šipan. Zwischen den kleinen Inselchen ist es böig, das Segelbergen schwierig, geht aber gut. Vor dem Örtchen Šipanska Luka finden wir einen sehr schönen Ankerplatz, mitten in der Bucht.                                                    Ein hübscher Ort. Spansa LukaHinter der Palmenfront, die am Wasser entlangläuft, stehen kleinere und gößere Häuser, eher alt, manche schon im Verfall begriffen. Nur ganz außen baut irgendjemand etwas Größeres. Jetzt fängt es hier also auch schon an... Später erfahren wir, dass ein Russe sich dort eine Villa baut, dieser ist im Dorf aber nicht unbeliebt, weil er nicht viel kaputt macht und nicht arrogant ist. 

Fr., 28. Am Nachmittag kam ein Transporter mit einem riesigen Anhänger mit Fahrädern. Kurze Zeit später standen sie in einer langen Reihe am Wasser. Hm? Man kann hier sozusagen Aktivferien machen, das heißt, man kommt mit einem Tourischlepper angefahren, steigt aus, schwingt sich aufs Fahrrad, fährt ü̈ber das Inselchen zur nächsten Bucht, wird dort verköstigt und vom Schiff wieder eingesammelt und tut das gleiche am nächsten Tag auf einem anderen Inselchen. Ein typischer Inselsport, weil hier nicht so viele Autos unterwegs sind. Am Festland der Küste entlang ginge das nicht. 

Sa., 29. September. Wir haben eine nette Bar mit Internet gefunden. übersetzen in der BarHeute konnte ich zwei meiner Übersetzungen abschik- ken. Das wird gefeiert mit einem Abendessen im Restaurant. Rost- braten dalmatinischer Art als Ersatz für den nicht gegessenen nach Makarska-Art, mit Ge- müse und Beilage: 4 Scheiben Zucchini, 5 Bröckchen Kartoffeln, ein kleines Häufchen Mangold, zwei groooße Batzen Fleisch. Übrigens warten wir hier einfach auf Nordwind jedwelcher Art. - Am Vormittag ist ein Touistenschiff gekommen, irgendein Nachbau einer Columbus-Caravelle, oder so, viele Leute an Bord. Eine Viertelstunde später fuhr das Schiff weg, die Touristen trabten im Gänsemarsch am Wasser entlang zu den Fahrrädern und fuhren los, etc. 

So., 30. Schreck. Noch ein Touri-Schiff; sie halten hier immer wieder. Dieses war länger als die anderen und hatte schon etwas Mühe beim Einfahren. Für die Fähre und die anderen Boote waren wir immer weit genug weg, das große Schiff brauchte mehr Platz. Gegen Mittag hörte ich dann die Maschinen starten, neugierig streckte ich den Kopf aus der Luke, da kam das Heck des Schiffes zu uns herangefahren, noch nicht gefährlich, viel Platz zum Drehen. Auf zwei Etagen standen Touristen und schauten zu uns herunter. Großes Schiff, Stahlschiff, so, jetzt wird es aber Zeit, wieder den Vorwärtsgang einzulegen, wir sind doch auch noch da, Nikola, komm mal, zwei Köpfe schauen aus der Luke, immer noch fährt das Schiff rückwärts, die zwei Köpfe werden von den Touristen fotografiert, sicher ein schönes Bild, und aus dieser Nähe... sowas sieht man ja schließlich nicht alle Tage, hoffentlich hatte ich etwas an, nur noch ein paar Meter, da hat uns einer von der Crew gesehen und hinauf geschrien, endlich das erlösende Geräusch des aufheulenden Motors, die Schraube wirbelt Schlamm auf, das Schiff hält, noch gleitet das Heck zu uns, dann Fahrt nach vorne - und weg sind sie. Uff. Wäre ja schade gewesen um unseren Baum...
Vor uns ankert ein Katamaran, ich erkenne ihn am Namen, TAKAMOANA, Australier, sie kommen mit dem Schlauchboot auf uns zu, als wir beim Apero sitzen. Ein Glas Wein? Nein? Sie erzählen, dass sie uns bzw. Nikola schon im Juli in Cavtat gesehen haben, dann hier, dann in Murter, wo sie mir auch aufgefallen sind, dann in Mljet und jetzt wieder hier. Ich habe es wohl schon zigmal gesagt, die WAHOO ist eben auffällig. Wir können uns in der Regel nicht merken, wer unsere Nachbarn waren, die Schiffe sehen zu gleich aus. 

Di., 2. Oktober. Die letzten beiden Übersetzungen abgeschickt. Jetzt, am Ende der Ferien habe ich Ferien. Wir sind das einzige Segelschiff in der Bucht. Jetzt ist es schön hier, nur noch wenige Touristen, schönes Wetter, nicht zu heiß... Sipanska LukaKleiner Spaziergang am Nachmittag. Dem schönen Schild sind wir bis nach Sv. Marko gefolgt .... eine winzige Kapelle ist das.... auf dem aus einer Steinplatte bestehenden Altar im kahlen Raum liegen – Werkzeuge... heilig, heilig.
Morgen soll es Nord- ostwind geben. Dann fahren wir. 



Mi., 3. Okt. Tatsächlich! Anker auf um 7:45, erst kein, dann mehr, dann viel Wind, per Schmetterling rauschen wir an Dubrovnik verbei, das ich gerne angeschaut hätte, ich kann mich aber nicht mehr blicken lassen in Kroatien - (Buße nicht bezahlt), dann über die kroatische Ozeangrenze nach Bigova, Montenegro. 45 sm in 11 Stunden. Wir haben übrigens zwei Hausfische. Der große, gelb-orange ist Eduard. Bis jetzt haben wir nur ihn gebadet. Heute war zum ersten Mal unser Siechmuntche dran. Siechmuntche? Na, die Marke des Fisches ist Rapala, das klingt doch wie Rogalla, nicht war? (Das ist hier übrigens Intertextualität, wer kennt den Namen?) Adam, Jan, Sygmunt... ja, und man kann doch so ein kleines graues Fischlein mit leuchtendem Bauch nicht Alfons oder Jan nennen, Zygmunt, oder eben Siechmuntche – das ist es. Trotz der schönen Namen haben wir nichts gefangen mit ihnen. Alles leergefischt.

Do., 4. Oktober. Wir haben vom Fischrestaurant gestern Abend einige Fischschuppen an unseren Füßen davongetragen. Überall liegen sie... und werden noch überall auf- tauchen...über-über-übermorgen.....

Zum letzten Mal zum Aufwachen ins Meer gehüpft. Guten  Morgen.
Ankunft in Bar am Abend. Die Schwierigkeiten beim Anlassen des Motors (vorsichtshalber hatte ich schon mal den Anker bereitgemacht, falls wir vor dem Hafen hätten übernachten müssen) und die Unsicherheit bei der Einfahrt wurden mit einem fantastischen Sonnenuntergang belohnt. So. Das warʻs. Jetzt heißt es, das Schiff winterfest machen, sich wieder an das Leben in der Zivilisation gewöhnen, kein Wasser mehr in der Nähe, keine milden Temperaturen mehr, überhaupt, nicht mehr die Möglichkeit, einfach wegzufahren und sich einen anderen schönen Platz zu suchen... Nächstes Mal.... 

Ein Fazit? Nun, es war ja keine lange Reise, aber ich habe trotzdem gelernt, dass man auf einem Segelschiff langsamer lebt, entspannter, mehr mit dem Rhythmus der Natur. Man braucht, und vor allem man lernt, Geduld zu haben mit den Launen des Wetters, mit der Geschwindigkeit des Schiffes. Manchmal ist es anstrengend, z.B. wenn es stürmt und man immer wieder nachts aufstehen muss, um zu schauen, ob der Anker hält. Es ist nie ganz still. Man hört immer das Plätschern der Wellen an der Bordwand, das Quietschen oder Schlagen eines Taus.

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Eine Woche in Bar. Auch Bar hat einen schönen Markt. unsere MarktfrauSeit Juni freue ich mich auf den Käse, der hier von jeder zweiten Frau hergestellt und verkauft wird. Weicher Ziegen-, Kuh-, oder Schafskäse geformt wie Mozzarella. Auch hier bezahlt man für das selbst angebaute Gemüse fast nichts. Die Frauen sitzen auf dem Markt und verkaufen ihren Überschuss, damit sie sich gelegentlich Kleider oder Schuhe leisten können. Der Tagesumsatz? Bei manchen vielleicht 5 €, andere mehr, 10, 20, 30 oder auch viel mehr, kommt darauf an, was sie im Angebot haben. Die Menschen können davon leben, solange man sie so leben lässt.
Auf das Schwimmen haben wir auch nicht verzichtet, jeden Tag sind wir mit dem Marlena rudertSchlauchboot vor den Hafen gefahren, haben den kleinen Anker geworfen und sind ins Wasser gesprungen. Für einen Tag habe wir uns ein Auto gemietet und sind hoch über dem Skadar-See, dem Berg entlang nach Albanien gefahren; Nikola wollte mich in ein spezielles Restaurant ausführen. Einige Kilometer vor der Grenze ging ein Mann an der Seestraße entlang. Nikola meinte, es sei ein Grenzbeamter, der nach Schmugglern Ausschau halte... Das Restaurant liegt in Shengjin, man kann dort ein sogenanntes Probiermenu essen, das aus sieben Platten besteht, auf denen jeweils eine winzige Portion eines Gerichts liegt, das man auch als solches bestellen kann: drei Stückchen Fisch, roh, dann drei Garnelen in Karamellsoße, etc. Und nach Hause sind wir tatsächlich geflogen, ich sah schon ein, dass es erstens furchtbar teuer wäre, von Bar aus mit dem Zug zu fahren, und zweitens mindestens so lange dauern würde, wie von Stuttgart nach Moskau. Ein Willkommen am Zürcher Flughafen (für Nikola wahrscheinlich eher peinlich) war derart gestaltet: in der kleinen Bahn, die uns zur Gepäckausgabe brachte, schallte aus dem Lautsprecher neben der Begrüßung in vier Sprachen auch das typischste Geräusch der Schweiz: Kuhglocken, Alphörner und das Muhen einer Kuh. Uf Wiederluege!... ...vielleicht auf den Kornaten?

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